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Zugangsbeschränkungen sind soziale Mauer

Zugangsbeschränkungen sind soziale Mauer

Die Uni vergrößert mit Zugangsbeschränkungen die Hürden für Kinder von Nichtakademikern.

Wie Ende Oktober bekannt wurde, wird die Karl-Franzens-Universität Graz künftig Aufnahmetests und Zugangsbeschränkungen für mehrere Fächer, darunter USW, Erziehungswissenschaften und Jus, einführen. Aus Sicht des Kommunistischen StudentInnenverbandes (KSV) ist diese Maßnahme stark zu kritisieren. Anstatt sich beim Bund dafür stark zu machen, endlich die Hochschulen entsprechend zu finanzieren, sperrt die Uni Studierende aus. Die Universität zieht so für viele potenzielle Studierenden weitere soziale Mauern ein – eine solche hat der KSV deshalb am Mittwoch symbolisch vor dem Eingang zum Hauptgebäude errichtet.

Aufnahmetests würden nicht ehrliches Interesse begünstigen, sondern jene, die sich die meist teuren privaten Vorbereitungskurse leisten können oder den finanziellen Rückhalt für eine etwaige „Ehrenrunde“ in einem Alternativstudium haben, um den Test erneut zu machen. So erklärt Dario Tabatabai, Mandatar des KSV an der Hochschulvertretung der ÖH Uni Graz, die Auswirkungen der Tests. In den anderen Studien entsteht zudem ein Verdrängungseffekt.

Etwaige Lösungsansätze dürften nicht zu Lasten der Studierenden gehen, meint Tabatabai: „Es stimmt – viele dieser Studiengänge sind überfüllt. Studierende leiden unter Platzmangel in Hörsälen oder langen Wartelisten bei Seminaren. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, sind Zugangsbeschränkungen jedoch ein denkbar ungeeignetes Mittel mit einer langen Liste an unerwünschten Nebenwirkungen.“ Anstatt den Zugang zum Studium gerade für junge Menschen aus Nichtakademiker-Familien noch schwieriger zu machen, sollte die Lösung in der vernünftigen Ausfinanzierung der Hochschulen durch den Bund liegen. Die Mittel dafür wären da – so der politische Wille besteht.

 

Regierung wertet arbeitende Studierende ab

Nicht nachvollziehen kann man seitens des KSV, dass die Finanzierung der Universitäten nunmehr an die Anzahl an Studierende genknüpft wird, die mindestens 16 ECTS-Punkte vorweisen können. „Universitäten werden in Zukunft belohnt, wenn sie nur noch Studierende aus reicherem Elternhaus hofieren. Wer arbeitet, um sich das Studium zu finanzieren, zählt nicht mehr.“

Laut Regierung sollen „prüfungsaktive Studierende“ finanziert werden. Problematisch ist die Definition von Aktivität: 16 ECTS-Punkte entsprechen ungefähr einer wöchentlichen Arbeitszeit von 27 Stunden. Studierende, die zehn oder mehr Stunden pro Woche arbeiten müssen, werden dieser Definition nach also ziemlich bald „inaktiv“. Wer halb arbeitet, halb studiert (je 20 Stunden) wäre nach dieser Rechnung klar „inaktiv“.

 

„Viele Studierende finanzieren sich ihr Studium durch eigene Arbeit. Natürlich fehlt diese Zeit beim Studieren. Wenn die Regierung diese Kolleginnen und Kollegen als inaktiv wertet, sie quasi zur Last erklärt, macht sie die Uni zum Spielplatz der hauptberuflichen Söhne und Töchter!“, so Dario Tabatabai.

 

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