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Warum wir Selbstverwaltung und Autonomie auf den Universitäten niemals aufgeben dürfen

Warum wir Selbstverwaltung und Autonomie auf den Universitäten niemals aufgeben dürfen

Ein Kommentar von Monika G., KSV Wien

Am 1. Juni wurde an der Technischen Universität Wien das Theaterstück „Die Schutzbefohlenen“ von Elfriede Jelinek aufgeführt, welches zuvor unfreiwillig Schlagzeilen machte. Bei diesem Stück geht es um mehr, um viel mehr als nur bloß die gesprochenen Inhalte.

Das Theaterstück erlangte nach dem feigen Angriff der unsozialen und rechtsextremen „Identitären“ auf den Erstauftritt an der Universität Wien mediale Aufmerksamkeit. Es wurde nämlich zu einem großen Teil von Flüchtlingen unterschiedlicher Herkunftsländer aufgeführt und somit zu einer Zielscheibe für Ewiggestrige und Menschenhasser. Dabei stellte sich die Frage, wie denn nun am besten damit umzugehen ist. Die Empörung war groß, zum Glück, aber auch von rechts wehte ein scharfer Wind. Einige „besorgte KritikerInnen“ scheuten sich nicht, den SchauspielerInnen und den VeranstalterInnen die Schuld in die Schuhe zu schieben- sei es doch verantwortungslos, die Universität als politische Plattform zu nutzen. Teile der HochschülerInnenschaft der TU (HTU) reagierten genau richtig: sie machten deutlich, dass in einer Universität sehr wohl Platz für Gesellschaftspolitik und Geflohene, aber nicht für VolksverhetzerInnen sein muss und organisierte in Kürze eine weitere Aufführung des Stückes- mit vermehrten Sicherheitsvorkehrungen.

Ohne fortschritlliche Kräfte undenkbar

Und jetzt stelle man sich vor, es gäbe keine fortschrittlichen Kräfte in der HTU, nicht in der Bundes-ÖH, keinen KSV, keine Studienrichtungsvertretung, keine politischen Veranstaltungen, keine Podiumsdiskussionen, keine Theaterstücke, keine Stammtische, keine Mietrechtsberatungen des KSV Graz und vieles mehr. Das ganze Gebäude, die ganze Infrastruktur würde neben Lehrveranstaltungen nur noch mehr Platz für Firmenmessen, Werbeständen sowie Kaffeeautomaten bieten als sie es ohnehin schon tut und Tür und Tor für eine rechte Verhetzung der Studierenden öffnen. Dieses Szenario hätte Auswirkungen im Gesellschaftsbild die man sich nicht ausmalen möchte. Auch wenn das im Moment noch unrealistisch erscheint, sollte man sich an Bilder und Erzählungen von Burschenschaften (die übrigens noch immer nicht verboten sind) aus den 30er Jahren erinnern, die Juden mit Schlagstöcken aus Hörsälen prügelten und an die SS auslieferten. Zur Zeit haben wir eine Regierung die sich fast voll und ganz den Interessen der wirtschaftlichen Eliten und rechten Demagogen hingegeben hat und das hat bereits katastrophale Folgen.

Soziale Frage in den Mittelpunkt!

Es ist vollkommen klar, dass man den enormen Rechtsdruck und die zunehmende Spaltung der Bevölkerung nicht alleine von den Hochschulen aus aufhalten kann. Die soziale Frage und die Vermögensverteilung muss in den Mittelpunkt gerückt werden und das geht nur, aber wirklich nur mit einer breiten Beteiligung der Werktätigen in Österreich, also jener Gruppe, die am allermeisten in den Fängen der FPÖ ist. Dennoch sollten wir froh über die Bastion sein, die antifaschistisch Gesinnten gewissermaßen einen Rückzugsort und Entfaltungsmöglichkeiten bietet und wir müssen darum kämpfen, dass wir auch in Zukunft dieses bisschen an Autonomie und Selbstverwaltung an den Hochschulen ausbauen, anstatt es zu verlieren. Auch wenn der KSV einige Tätigkeiten der HochschülerInnenschaft kritisch betrachtet und es auch weiterhin tun wird.

Zum Stück:

„Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene“ wurde von der KünstlerInnenplattform „Schweigende Mehrheit“ initiiert und wird den kommenden Wochen noch ein paar Mal aufgeführt (Infos auf http://www.schweigendemehrheit.at). Der erste Teil ist das Stück selbst, der zweite Teil ist ein Dialog zwischen BesucherInnen und performenden Flüchtlingen.
Zum Abschluss ein paar Zeilen des großartigen Stücks, bei denen man Gänsehaut und Herzklopfen bekommt und auch die eine oder andere Träne kullern kann.

Wir wurden entwurzelt. Desillusioniert. Allein gelassen und neu geboren. Von denen, die die Verantwortung tragen, wurden wir kläglich im Stich gelassen. Belogen! Vertröstet! Es sind wir Flüchtlinge, die der europäischen Politik jede Würde stehlen. Wir sind es, die an euren Grenzen für das Asylrecht kämpfen. Es ist ein Menschenrecht. Es ist unser Recht. Es ist euer Recht. Es ist unser aller Recht.

Wir, die Fremden, die alles verloren haben, schenken euch vor den Toren Traiskirchen etwas, das ihr im Begriffe seid zu verlieren. Menschlichkeit! Solidarität! Und durch die Gitterstäbe reichen wir euch die Hände. Dieser Zaun mag ihre Grenze sein. Es ist nicht unsere. Dieser Zaun an der ungarischen Grenze, an den EU-Außengrenzen, in Spielfeld, in Lampedusa, in Mazedonien, auf der A4, in den Köpfen der Menschen; in den Köpfen unserer Politiker. Dieser Zaun wird fallen. Dieser Zaun wird fallen! Dieser Zaun wird fallen! Wir werden uns wieder von Mensch zu Mensch gegenüber stehen. Danke an die österreichische Zivilbevölkerung! Dankeschön.“

schutzbefohlene

Foto: Abd El, HTU Wien