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„Ihr nennt es Profit, ich nenne es Ausbeutung“ – Fimkritik zu „Der Junge Karl Marx“

„Ihr nennt es Profit, ich nenne es Ausbeutung“ – Fimkritik zu „Der Junge Karl Marx“

Ab 23.3. diesen Jahres läuft die Filmbiographie „Der junge Karl Marx“ in den österreichischen Kinos. Der KSV Wien wurde zur Pressevorführung des Filmladen geladen, um sich ein Bild von dem Werk  zu machen.

Zur Handlung

Während Karl Marx einen jungen und sehr intelligenten Draufgänger verkörpert, ist sein Zeitgenosse und späterer guter Freund Friedrich „Fred“ Engels von ruhigerer Natur. Kennengelernt haben sich die bärtigen Intellektuellen ursprünglich über die Rheinische Zeitung der Jung-Hegelianern. Auch deren beiden Lebensgefährtinnen Jenni von Westfahlen und Mary Burns bekommen mehr Raum und Eigenständigkeit in der Verfilmung als man von anderen Filmen gewohnt ist. Gemeinsam schlagen sie ihren eigenen Weg ein- den damaligen etablierteren Intellektuellen zum Trotz. Finanzielle Nöte, Staatsgewalt und kapitalistische Familienhintergründe machen den ProtagonistInnen das Leben und vor allem das Veröffentlichen ihrer Schriften schwer.  Die Gespräche der Charaktere sind voller historischer Details und (fast) alle bedeutenden Größen Mitteleuropas, ob Metternich,  preußische Adelige oder Feuerbach, werden zumindest in einzelnen Sätzen und im richtigen Kontext erwähnt.

Es wird schon zu Beginn klar, der späte Adel und das Großbürgertum kommen nicht gut davon; es wird gar nicht erst versucht, die Interessen der Kapitalisten oder Herrschenden zu beschönigen. Auch die vorherrschende Staatsrepression gegen Arme, ArbeiterInnen und Intellekturelle, wird einprägsam portraitiert.  Weiters wird sich mit dem Thema Religion, utopischer Sozialismus und Moralismus in der ArbeiterInnenbewegung  auseinandergesetzt, wie es im 19. Jahrhundert eben der Fall war. Marx und Engels sowie die gesamte Kommunistische Bewegung werden ohne Zweifel nicht „durch den Dreck gezogen“.

Was die Inszenierung betrifft…

Visuell inszeniert sich der Film solide, jedoch ohne mit gängigen Stil-Konventionen des (deutschen) Kinos zu brechen. Statische Kameraeinstellungen bei Dialogen wechseln sich mit rasanteren Passagen und frei geführten Kameras ab. Wie die meisten Kino – Settings der Historie ist auch das Europa des 19. Jahrhunderts in „Der Junge Karl Marx“ durch entsättigte Brauntöne gezeichnet, während die Ausstattung allerdings überraschend üppig und qualitativ ausfällt. Penibel wird während des Films darauf geachtet, dass Marx fast durchgehend raucht, auch seine gebärende Frau ist ihm in dieser Hinsicht egal, es wird gequalmt. Besonders stilvoll ist die Eröffnungssequenz ausgefallen, August Diehl weiß schauspielerisch zu überzeugen, in besagter Sequenz kommentiert er mit Originalzitaten Marx´ das Geschehnis. Dramaturgisch fällt der Film eher unkonventionell aus, kein klarer Höhepunkt, oder Plottwist war beim ersten Ansehen erkennbar, jedoch ist ein roter Faden – die Publikation des Manifests – mal mehr, mal weniger erkennbar.

Fazit

Es ist gelungen, den Charakteren eine Persönlichkeit zu geben, ohne dass die Verfilmung zu einer romantischen Historik-Schnulze verkommt. (Auch wenn es im Schlafzimmer mal heiß hergeht, doch mehr wollen wir nicht spoilern!)

Allerdings ist der Film nicht für jedes Publikum geeignet, was keine große Überraschung sein dürfte.  Aufgrund der detailreichen Dialoge und Handlungen wird ein gewisses Grundwissen über die damalige Zeit vorausgesetzt. Insofern ist der Film mit seinen 118 Minuten Laufzeit besonders zu empfehlen für historisch, philosophisch sowie politisch interessierte Menschen und natürlich für KommunistInnen 😉