Deutsche Demokratische Republik, est. 1949

70 Jahre Gründungsjubiläum

Knapp einundvierzig Jahre sollte die Deutsche Demokratische Republik (DDR) Bestand haben zwischen ihrer Gründung im Oktober 1949 und der Eingliederung in die Bundesrepublik Deutschland im Oktober 1990. Nun liegt auch dies bereits dreißig Jahre zurück und in den Gebieten der ehemaligen DDR hat sich viel verändert. Rechtsradikale PolitikerInnen und Bewegungen freuen sich über Wahlerfolge und Salonfähigkeit, Arbeitslosigkeit und Hartz-IV-Abhängigkeit ist für tausende Menschen Realität geworden und die einst auf Volkswohl ausgelegte Infrastruktur bröckelt. Wie standen die Weichen vor dem Mauerfall und wie unterschieden sich diverse Lebensrealitäten von den Ostdeutschen zu den Westdeutschen? Gerade für uns Studierende gibt es über die DDR Dinge zu berichten, die jenseits der Delegitimitierungskampagnen bürgerlicher Medien und deren Geldgebern liegen.

Gerade wenn es um das Erinnern geht, spalten sich zwischen DDR  Osten und BRD – Westen die Welten. Die antifaschistische Vorgehensweise im öffentlichen sowie im geschichtskulturellen Raum wurde in der BRD oder auch in Österreich zwar zu einem gewissen Grade propagiert, doch nur in der DDR tatsächlich gelebt. Wäre das Jahr 1961 der Zeitpunkt der Wiedervereinigung gewesen und nicht das Jahr des Mauerbaus, so wären wohl wie in der BRD und Österreich auch in den DDR -Gebieten wieder zahlreiche ehemalige nationalsozialistische Würdenträger, Parteimitglieder und Mittäter in die öffentlichen Ämter eingezogen oder hätten aus dem Steuertopf jahrelang Amtspensionen kassiert. In Österreich hatte und hat das Auftreten politischer Würdenträger auf rechtsradikalen Veranstaltungen meist keine Konsequenzen, da war die DDR uns vor drei Jahrzehnten bereits voraus.

„Ein Arbeitsplatz und Wohnen waren Selbstverständlichkeit“

Heute müssen die Menschen vom ehemaligen Ost-Berlin bis Innsbruck seit Jahren merken, dass Wohnen keine Selbstverständlichkeit ist. Während in Innsbruck alle Maßnahmen ergriffen werden um die VerliererInnen des Wohnsystems der freien Marktwirtschaft aus den Augen der Öffentlichkeit zu verbannen, waren derartige Maßnahmen in der DDR nicht von Nöten. Obdachlosigkeit war eine Seltenheit und nicht wie heute ein wachsendes Phänomen.  Ein Arbeitsplatz und Wohnen waren Selbstverständlichkeit und kein Luxus.

Auch Emanzipation und Bildung nahmen in der DDR einen höheren Stellenwert ein und eine andere Form an. Die schweren Umstände der Nachkriegswirtschaft, die wachsende Rivalität mit den westlichen Gegenspielern (in Form von wirtschaftlicher und teils militärischer Aggression gegen die DDR und andere sozialistische Bruderstaaten wie z.B. Kuba)  und die Organisation der Arbeit um den Volkswohlstand zu erhöhen, führten zur gänzlich gesamtgesellschaftlichen Einbindung in die Arbeitswelt. Die Frau am Herd war ein westdeutsches Rollenbild, während Frauen in der DDR am Arbeitsplatz gebraucht und respektiert wurden. Dies ging auch mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit der Frau vom Mann einher, der in Westdeutschland der Frau noch jahrzehntelang verbieten durfte, arbeiten zu gehen (BRD: bis 1977; Ö: bis 1975). Ein umfassendes Bildungssystem mit Sommerbetreuung machte es jungen Familien ebenfalls möglich, berufstätig der Volkswirtschaft beizustehen und im Gegenzug Urlaub, Kinderbetreuung und gesichertes Wohnrecht zu erhalten/zu haben. Es zählte tatsächlich: Wer arbeitet und beiträgt, wird gerecht entlohnt. Anders als hier, wo die am meisten haben, die andere für sich arbeiten lassen, war der Sozialismus wirklich eine Leistungsgesellschaft. Die Bildungsmobilität war viel höher als dies in den mehrgliedrigen Schulsystemen in den kapitalistischen Ländern der Fall war und ist.

Siebzig Jahre nach der Gründung der DDR ist dieser sozialistische Versuch keineswegs ein historisches Relikt, sondern ein wichtiges Vergleichsfeld und ein Beispiel für eine Alternative gegenüber der sich selbst rühmenden liberalen Demokratie mit teilweise hackendem Demokratieverständnis.