Unsere Wohnzimmer geht die Uni nichts an.

Im Laufe dieses zweiten Coronasemesters häufen sich die Berichte über absurde Onlineprüfungsmodalitäten seitens einiger TU-Lehrender. So wird teilweise verlangt, dass sich KanditaInnen von mehreren Kamerageräten aus allen erdenklichen Winkeln zu jedem Zeitpunkt während der Prüfung beobachten lassen. Weiters wollen Aufsichtspersonen im Vorfeld einer Prüfung oftmals eine virtuelle Beschau des privaten Wohnraumes durchführen, um dessen „Prüfungstauglichkeit“ zu überprüfen. Der vorläufige Gipfel dieser vollkommen unverhältnismäßigen und absurden Antischummelmaßnahmen wird nun laut einem Bericht erreicht, wonach das Videomaterial der KandidatInnen sogar aufgezeichnet und mehrere Wochen abgespeichert wird. Um noch eines daraufzulegen: wer dieser Maßnahme nicht per Unterschrift zustimmt, kann sich den Prüfungsantritt in die Haare schmieren und darf auf ein baldiges Ende der Distanzlehre hoffen.

Die Verantwortlichen scheinen in einer Traumwelt zu leben, wenn sie von uns Studierenden eine dauerhaft stabile Internetleitung, einen komplett ruhigen und ungestörten Prüfungsort und hochqualitatives Kameramaterial in Mehrfachausführung einfordern. Dass dies wohl nicht der Lebensrealität von StudentInnen entspricht, welche in lauten Substandard-WGs oder Studentenheimen wohnen und ihren prekären Nebenjob Coronabedingt verloren haben, ist nicht allzu schwer zu sehen. Nun erlaubt man sich auch noch die Frechheit, unsere Privatsphäre mit derartigen Videoaufzeichnung in einem nie gekannten Ausmaß zu verletzen, und das nur um vermeintliches Schummeln zu verhindern. Dabei wird die Frage aufgeworfen, wie hochwertig denn die Lehre in den betroffenen Fächern sein kann, wenn der gesamte Lernerfolg an einer einzigen Prüfung festgemacht wird.

Leider passen diese Vorfälle nur allzu gut in ein mittlerweile sehr klares Bild: auf uns Studierende wird in der Pandemie nicht nur vergessen, man legt uns sogar extra große Steine in den Weg und versucht uns um jeden Preis das Leben schwer zu machen, nicht zuletzt mittels der UG-Novelle. Anstatt uns Studierende in dieser herausfordernden Zeit an der Hand zu nehmen und zu versuchen, allen ein möglichst barrierefreies Studium zu ermöglichen, sträuben sich die Verantwortlichen mittlerweile schon ein Jahr lang dagegen, faire Prüfungsformate zu erarbeiten oder brauchbare Lehrmittel zur Verfügung zu stellen.

Da die Distanzlehre aller Voraussicht nach, dem Impfversagen der türkis-grünen Bagage sei Dank, noch mindestens ein Semester lange fortgeführt wird, fordern wir als KSV ein sofortiges Ende dieser Schikanen gegen uns Studierende und kämpfen für eine faire und qualitativ hochwertige Distanzlehre in den nächsten Monaten. Deshalb: Studierende in die Offensive für unsere Rechte!