Am 8. und 9. März fand der 16. Bundeskongress der Kommunistischen Jugend Österreichs und des Kommunistischen StudentInnenverbands statt. Unter dem Motto „Der Jugend die Zukunft, die Zukunft dem Sozialismus: Generation Widerstand“ wurde zwei Tage lang diskutiert, Grußworten gelauscht und eine neue Bundesleitung gewählt. Delegierte aus ganz Österreich und Gäste von befreundeten Organisationen aus Österreich, Botschaftsverteter und GenossInnen von Schwesterorganisationen aus ganz Europa kamen in Graz zusammen.

Lieber gleichberechtigt als später

Der 8. März ist ebenso wie vor 113 Jahren, als er von der sozialistischen ArbeiterInnenbewegung ins Leben gerufen wurde, ein bedeutendes Symbol, um auf die anhaltende Benachteiligung von Frauen in vielen Lebensbereichen hinzuweisen. Über 500 Menschen nahmen an der erstmals seit langer Zeit wieder stattfindenden Demonstration anlässlich des internationalen Frauentags durch Graz teil. Mit einem lauten und kämpferischen kommunistischen Block wurde gezeigt, dass gesellschaftlicher Sexismus und der Kampf dagegen nicht der Vergangenheit angehören, sondern eine wichtigen Bestandteil unserer Kämpfe ausmachen. Es wurde dagegen demonstriert, dass Frauen noch immer ein Drittel weniger Lohn wie ihre männlichen Kollegen verdienen, gegen die ungleiche Verteilung der Reproduktionsarbeit, die noch immer großteils auf den Schultern der Frauen lastet, gegen Gewalt an Frauen, gegen die Verschärfung der sozialen Lage der Frauen durch die kapitalistische Krise und gegen sexistische Rollenbilder und Klischees sowie herabwürdigende Darstellungen von Frauen, die uns täglich und stündlich in Medien und Werbung begegnen. Wir haben für die Befreiung und völlige Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen demonstriert. Zu besten Frühlingstemperaturen endete die Demo in der Grazer Innenstadt und die Delegierten machten sich auf den Weg zum ersten Kongresstag ins Volkshaus der KPÖ Graz.

Die Welt ist veränderbar – und zwar von uns!

Zum Kongressauftakt wurden vom scheidenden KJÖ-Bundesvorsitzenden Robert Krotzer unsere grundsätzlichen inhaltlichen Analysen dargelegt und strategische Überlegungen angestellt. Dabei ging es ihm „nicht um Blumen für den Weltfrieden, nicht um Tauschkreise und Alternativwährungen und auch nicht um Selbstdarstellung in schwarzen Klamotten, sondern um die Frage wem das Eigentum gehört und wer die Macht im Staat hat – und wer den Kampf darum organisiert.“ Diese Fragen werden von KJÖ und KSV ins nicht Zentrum gerückt, weil wir altmodisch oder unkreativ wären. Diese Fragen sind schlicht und einfach die zentralen Hebel, wenn es um eine revolutionäre Gesellschaftveränderung geht. Denn was nutzen besetzte Häuser für AussteigerInnen aus dem kleinbürgerlichen Mief, wenn ringsum ArbeiterInnenfamilien delogiert werden? Und was nutzt ein bedingungsloses Grundeinkommen, wenn die Banken und Konzerne weiterhin das Sagen haben und sich das Grundeinkommen bedingungslos durch höhere Mieten, Gesundheitsbeiträge und Lebensmittelpreise zurückholen?

Robert Krotzer betonte dabei, dass wir unsere politische Arbeit in engster Verbindung mit den jungen Menschen in Schulen, Betrieben, Lehrwerkstätten, Universitäten, Fachhochschulen und Wohnvierteln gestalten müssen. Mit Bertolt Brecht gesprochen müsse es uns darum gehen, den Kampf „um den Lohngroschen, um das Teewasser – und um die Macht im Staat“ zu organisieren.

Denn unser Ziel ist und bleibt es „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ (Karl Marx)

Zu Gast bei KJÖ und KSV

Zahlreiche Gäste konnten auf dem Bundeskongress begrüßt werden: die steirischen Landtagsabgeordneten Claudia Klimt-Weithaler und Werner Murgg als SprecherInnen der KPÖ Steiermark. Gleichauf mit der KPÖ Steiermark gehört zu unseren wichtigen Bündnispartnerinnen die Partei der Arbeit, die in Form ihres stellvertretenden Vorsitzenden, Tibor Zenker, Grußworte an den Kongress richtete. Eine besondere Freude war es den Präsidenten des Weltbundes der Demokratischen Jugend, Genossen Dimitris Palmyris, begrüßen zu dürfen. Unser Charakter als internationalistischer Verband, auf den wir sehr stolz sind, zeigte sich an weiteren Gästen, die den Weg nach Graz gefunden haben: Seine Exzellenz Juan Carlos Marsan, Botschafter der Republik Kuba in Österreich, Genossin Pipitsa von der Kommunistischen Jugend Griechenlands, KNE, Genossin Diana von der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend, SDAJ,  Genosse Alberto vom spanischen Kollektiv junger Kommunisten, CJC, Genossin Helen und Genosse Nahom vom Verband der Jugend und Studierenden Eritreas, NUEYS. Auch Genosse Michael Wögerer, Vorsitzender der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft, ÖKG, nahm an dem Kongress teil und richtete Grußworte an die Delegierten.

Außerdem erreichten uns Grußworte aus Portugal (JCP), Katalonien (CJC), Venezuela (JPSUV), Serbien SKOJ, Luxemburg (JCL), Mexiko (LJC) und Brasilien (JCA).

Generation Widerstand!

Als zentraler Punkt für die Arbeit von KJÖ und KSV wurde die neue Kampagne „Keine Kohle. Keine Zeit. Keine Zukunft? Generation Widerstand!“ diskutiert und beschlossen. Unsere Generation wird die erste der Nachkriegszeit sein, die hinter den Lebensstandard ihrer Eltern-Generation zurückfallen wird. Diese düstere Zukunftsaussicht ist längst zur Tatsache und für hunderttausende junge Menschen in Österreich zur beklemmenden Alltagserfahrung geworden. Die große Mehrheit der SchülerInnen, Lehrlinge, jungen ArbeiterInnen, Studierenden sowie der erwerbslosen Jugendlichen ist unter den Bedingungen des neoliberalen Kapitalismus mit finanziellen Sorgen, Stress, Versagensängsten, sozialer Kälte, fehlenden Zukunftsperspektiven und steigendem Leistungsdruck konfrontiert. Normal-Arbeitsverhältnisse weichen unter dem Zauberwort „Flexibilisierung“ nicht-existenzsichernden Arbeitsbedingungen. Wir sind die „Generation Praktikum“, die sich schlecht oder gar nicht bezahlt von Job zu Job hantelt und dabei auf immer mehr soziale Rechte verzichten muss.

Von Zukunftsplanung können viele junge Menschen aufgrund unsicherer Perspektiven, Arbeitslosigkeit oder handfester Armut nur träumen. Hand in Hand mit dieser Unsicherheit gehen soziale Ausgrenzung und psychische Belastungen.

Die sich zusehends verschlechternde soziale Lage unserer Generation ist freilich kein Zufall, sondern Resultat des neoliberalen Gesellschaftsumbaus und der verstärkten Offensive des Kapitals in der kapitalistischen Krise. Im Windschatten dieser Krise betreibt die österreichische Bundesregierung unter dem Kommando von Industriellenvereinigung und EU immer massiveren Sozialraub und Bildungsabbau. Die Unternehmen wiederum nützen die Krise, um Löhne und soziale Standards zu senken und gleichzeitig den Arbeitsdruck zu erhöhen. Der einsetzende wirtschaftliche Abschwung führt zu einer massiven Zunahme der Arbeitslosigkeit. Das alles erschüttert unsere Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven.

All dem gilt es entschlossenen und ehrlichen Widerstand entgegen zu setzen. In mehreren Phasen wird uns die Generation Widerstand in den nächsten Monaten und Jahren beschäftigen. Wir wollen hier auf breiter Basis in der österreichischen Jugend Bewusstsein für die eigene Lage schaffen. Wir wollen mit zahlreichen Aktionen auf ihre Situation aufmerksam machen und an konkreten Kämpfen anknüpfen. Mit dieser Kampagne haben sich KJÖ und KSV viel vorgenommen, gleichzeitig blicken wir zuversichtlich und voller Tatendrang in die Zukunft.

Planung ist das halbe Leben

Als organisatorischer Kompass wurde eine Handlungsorientierung bis 2016 beschlossen, die die wichtigsten Bereiche der Arbeit von KJÖ und KSV absteckt. Von JungarbeiterInnenpolitik, über Frauenbefreiung und der Frage der Sammlung der klassenbewussten Kräfte in Österreich bin zum Umgang mit unseren Medien, deckt sie die auf umfassende Art und Weise die konkrete Tätigkeit von KJÖ und KSV ab.

„Ohne Kampf geht nichts!“

Ein ganz besonders emotionaler Moment war für die Delegierten des 16. Bundeskongresses der Redebeitrag von Genossin Maria Cäsar. Maria Cäsar ist eine antifaschistische Widerstandskämpferin, die in der Steiermark gegen den Faschismus gekämpft hat. Mit 93 ist sie des Kämpfens aber noch lange nicht müde und erfreute die Delegierten mit sehr rührenden und beeindruckenden Worten:

„Ich habe immer den Weg zur Jugend gesucht, denn ich weiß, dass die Zukunft der Jugend gehört. Ihr werdet diese Welt gestalten. Ihr werdet die Vorreiter einer besseren Welt sein. Für eine Zukunft, in der es sich lohnt, Mensch zu sein. Ich war Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus. Ich habe damals für eine bessere Welt gekämpft. Unser Ziel war, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen – ihr müsst diesen Weg weitergehen. Ich sage euch: Es lohnt sich immer, kritisch zu sein, politisch zu sein, zu kämpfen. Ohne Kampf geht nichts!“

Gemeinsame Bundesleitung gewählt

Als höchstes Gremium für die kommenden zwei Jahre, wurde vom Bundeskongress eine neue gemeinsame Leitung von den Delegierten von KJÖ und KSV gewählt. Zwei Dutzend kommunistische Jugendfunktionärinnen und –funktionäre bilden die aktuelle Bundesleitung. Sie sind als BetriebsrätInnen und GemeinderätInnen, BezirksrätInnen und UniversitätsmandatarInnen, GewerkschaftsaktivistInnen, SchülerInnenvertreter und ÖH-ReferentInnen für und mit hunderten und tausenden jungen Menschen aktiv und tragen die Verantwortung dafür, den erfolgreichen Kurs von KJÖ & KSV in den künftigen Monaten und Jahren fortsetzen können. Den KSV-Vorsitz wird in den kommenden Jahren weiterhin der Student der Volkswirtschaft Lukas Fasching ausüben. Neuer KJÖ-Bundesvorsitzender ist der 25-jährige Betriebsratsvorsitzende David Lang aus Wien. Mit kämpferischen Worten schloss er den Bundeskongress:

Jenseits von linksradikaler Kleinkariertheit, jenseits von Opportunismus, jenseits vom Einknicken gegenüber der vermeintlichen Übermacht des Kapitals und in stetiger praktischer Solidarität müssen wir den Klassenkampf führen.

Wir werden auf unserem Weg noch vielen Herausforderungen begegnen und Rückschläge hinnehmen müssen. Aber eines ist klar: wir geben niemals auf! Wir stehen immer auf der Seite der arbeitenden Klasse! Wir stehen immer auf der Seite der unterdrückten Völker!

Denn es nützen keine schönen Worte und es nutzt kein Verstecken im Hinterzimmer: raus auf die Straße, rein in die Betriebe, rein in die Schulen und Unis!