In der Geschichte der Linken gab es immer wieder Strömungen, die anläßlich von Kriegen den Hauptfeind im linken Lager ausmachten. Eine relativ erfolgreiche Neuausgabe sind die »Antideutschen«. Die Kriegsfreunde haben ihre Verstärker in den Mainstreammedien und finden auch in linken Organisationen ein positives Echo.

Nach dem Verhör vor dem Ausschuß zur Untersuchung unamerikanischer Tätigkeiten 1947 soll Bertolt Brecht auf die Frage, wie es ihm dabei ergangen sei, geantwortet haben: »Wie einem Zoologen, der von Affen vernommen wird.« Das Zitat charakterisierte aus meiner Sicht z. B. die bundesdeutsche »Evaluationskommission«, die 1990 an der Humboldt-Universität aufkreuzte, um DDR-Wissenschaftler zu begutachten, und das meiste, was aus westlichen – auch linken – Zeitungen und Zeitschriften seither über die DDR oder Ostdeutschland verbreitet wird.

Als ich gefragt wurde, ob ich etwas zu den Antideutschen sagen wolle, fand ich es sehr passend. Bei den Antideutschen handelt es sich, soweit ich sehe, wie weiland 1947 um ein Gremium zur Untersuchung unamerikanischer Betätigung, um eine Art permanent tagenden Wächterrat, wie er inzwischen auch von Mullahs gegründet wurde. Sie sind eine Art Gesinnungspolizei zur Evaluierung, Spaltung und Abwicklung der Linken. Die Idee, sich dafür das Etikett »links« anheften bzw. anheften zu lassen, ist nicht schlecht und wird von den Bürgermedien als »unideologisch« gefeiert. Neu allerdings ist das nicht. Zur DDR-Abwicklung traten neben den ostdeutschen »Bürgerrechtlern«, »Alternative« und »Alt-68er« aus dem Westen besonders eifrig an. Das setzte sich in den »links-alternativen« Propagandatrupps für den Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999 und den nachfolgenden Auslandseinsätzen der Bundeswehr fort.

Ich habe die Brechtsche Bemerkung dabei nie als Ausdruck von Arroganz aufgefaßt, sondern mehr als Beschreibung der Tatsache, daß man sich mit vielen Leuten nichts zu sagen hat. Ich wüßte nicht, was mich Ansichten interessieren sollten, die einzig zu dem Zweck geäußert werden zu verdecken, daß nicht-kapitalistische Eigentumsverhältnisse und sozialistische Auffassungen beseitigt werden sollen.

Glaubensbekenntnis

Daß die Zugehörigkeit zur Deutschsprachigkeit eine politische Kategorie ausmacht – das ist, soweit ich sehe, der Inhalt des neusten Antideutschtums -, scheint eine Idee jüngeren Datums zu sein. Zeit und Ort des Entstehens dieser Imagination sind unbekannt, dafür ist ihr Inhalt umso weiter verbreitet: »Wer deutsch spricht, ist Antisemit.« Das ist ein Axiom, eine Grundthese, vor allem aber ein Aberglaubensbekenntnis, das, leicht abgewandelt, zu jenen Grundsätzen gehört, die jeder im Springer-Verlag beschäftigte Journalist zu unterschreiben hat – neben Eintreten für die freiheitlich demokratische Grundordnung, Freundschaft zu den USA, Verfechten der Marktwirtschaft etc. Auf welche Grundsätze die Antideutschen sich zu verpflichten haben, bevor sie die höheren Weihen ihrer Kirche, die selbstverständlich umfassenden Anspruch erhebt, also gut katholisch ist, ist unbekannt, aber sie liegen von den genannten nicht weit ab. In antideutscher Fassung sind sie nur etwas strenger formuliert als bei Springer. Seit dem 11. September 2001 wurde das Glaubensbekenntnis noch ergänzt um: »Wer deutsch spricht, ist Freund des islamistischen Dschihad, also Antiamerikaner, also Antisemit.« Oder mehr als Losung: »USA = Antifa«.

Bei Springer charakterisieren solche Richtlinien die Art und Weise, wie alte und neue Nazis zähneknirschend mit der Welt seit 1945 zurechtkommen müssen. Für deren Nachkömmlinge stellen diese Grundsätze jene Art geistiger Sozialisation dar, die gewährleistet, daß aus ihnen lammfromme Studienräte, gut antikommunistisch getrimmte Professoren und Journalisten, die jeden Sozialismus mit links erledigen, werden. Die Antideutschen sind ein typisches, allerdings etwas spätes Produkt jener Art bundesdeutscher Revolten, deren Protagonisten nie vergessen, daß sie zurück ins elterliche Reihenhaus, in eine öffentlich-rechtliche Pfründe oder sonstwie dazugehören wollen. Antideutsche sind die Joseph Fischers von übermorgen, nur mit dem Unterschied, daß sie es nicht mehr nötig haben, Polizisten zu verprügeln oder bei Opel ein paar Schichten zu schieben, um für links gehalten zu werden. So stark ist die Linke heute nicht, daß man sich besondere Mühe geben muß. Heute reicht die bloße Selbstetikettierung.

Ihre Behauptungen – von Argumenten kann selten die Rede sein – sind so absurd, daß sie in ebenso viele Rechtfertigungen des Bestehenden umschlagen. Man kann nicht soviel Dämliches über Deutschsprechende erzählen, daß es nicht in ebensoviel Sympathiebeweise für sie umschlägt. So ähnlich hat Peter Hacks die deutsche Romantik charakterisiert, eine, wie der in Miami lehrende Germanist Otto W. Johnston herausgefunden hat, vom englischen Geheimdienst mitfinanzierte Ideenrichtung gegen die französische Revolution und gegen Napoleon: Ihre Argumente gegen den Kapitalismus waren derart, daß sie in Argumente zu dessen Verteidigung umschlugen. In bezug auf die neuere Romantik meinte Hacks, sie unterscheide sich vor allem dadurch von der historischen, daß an die Stelle des englischen der amerikanische Geheimdienst getreten sei.

Große Deutsche

Es hat schon Lustigeres als die Antideutschen gegeben, aber selten eine Richtung, die durch pure Gedankenfreiheit von sich reden machte. Ihr Credo sind die genannten Sätze, und wenn es je eine vulgär-reduktionistische Strömung im deutschsprachigen Geistesgewerbe gab, dann diese. Die Auffassung, daß der Mensch ist, was er ißt, die von einem Vorläufer der Freidenkerbewegung im 19. Jahrhundert stammt, war entschieden aufklärerischer als die Meinung, daß DNS die Abkürzung für Deutscher Nationalsozialist ist oder daß, wer »Finanzkapital« sagt wie vor hundert Jahren Rudolf Hilferding, Antisemit ist. Antideutschtum ist eine Methode, sich dem medialen und politischen Mainstream als Gaga-Fraktion nahtlos einzuordnen, die politische Anpassung als radikale Offensive darzustellen, die Anpassung als Absage zu zelebrieren. Den Antideutschen ist das Anflanschen an die Glaubensartikel der Bundesrepublik so zur zweiten Natur geworden, daß sie in jedem Deutschsprachigen einen natürlichen Deutschen vermuten.

Ich zitiere zur Illustration aus einer »Huldigungsadresse« für Hermann Gremliza, die Peter Hacks 1990 veröffentlichte. Er faßt das Antideutsche klassisch zusammen: »Weil ich bei den Fehlern bin: Gremliza ist, was die Deutschen betrifft, Rassist.

Er glaubt, und das halte ich für einen seiner wenigen Irrtümer, der deutsche Mensch sei eine Art Subspecies unserer Gattung, und jeder Deutsche habe eine Art Hitler in den Genen. Aber selbst wenn unsere Landsleute jetzt wieder Nazis werden, was in der Tat ganz so wahrscheinlich ist, wie Gremliza sagt, – auch dann heißt DNS immer noch nicht Deutscher National-Sozialist. Es heißt weiterhin schlicht Desoxyribonucleinsäure. Selbst hier in den Gefilden zwischen Strasbourg und Kaliningrad sind die Chromosomen überparteilich und für jeden Sinn und Unsinn offen.

Unstreitig sind die Deutschen Gesindel. Aber sie sind kein schlimmeres Gesindel als die übrigen Personen, die die Erde bevölkern. Das Paradox des Fortschritts ist ja, daß er von Leuten, die alle den Hegel nicht gelesen haben, zustande gebracht ist. Was gerade gedankenvollen Männern am schwersten einleuchtet, ist das Niveau, auf dem Weltgeschichte sich abspielt.« Der Text endet: »Ich persönlich mag die Deutschen, wenn ich vielleicht die Leipziger ausnehme. Daher fällt mir leichter, eine etwas altkluge Wahrnehmung zu machen. Es ist politisch nicht geschickt, in Deutschland als Deutschenhasser aufzutreten. Viele Leser stört, wenn man sie wissen läßt, daß man sie haßt. Es ist nicht wirklich offensiv.«

Dieser letzte Satz, möchte ich anmerken, ist nach meiner Meinung ein ziemlich vernichtendes Urteil über Leute, die vorgeben, stets mit Attacken befaßt zu sein. Hacks schließt: »Der Titel, sagt die Freundin, lautet: Hermann L. Gremliza ist ein großer Deutscher.« Das Prädikat trifft selbstverständlich auf alle Antideutschen zu.

Zu berücksichtigen ist jedoch: Das war 1990. Inzwischen freute sich Hermann Gremliza schon mal auf den nächsten Krieg gegen den Iran und bedauert die Einsamkeit der USA bei ihren Feldzügen, die sie weiter schwächeln und Deutscheuropa Muskeln wachsen lassen. Die Geschäftsidee, die junge Welt regelmäßig unregelmäßig als »antisemitische Zeitung« zu bezeichnen, gehört zu den eher untergeordneten Aspekten.

Mitleid mit den USA

Das wesentliche Geschäft der Antideutschen heute ist, wenn schon nicht Begeisterung, dann zumindest Mitleid mit den USA zu wecken, die zur eigenen und zur Verteidigung Israels zum Krieg gezwungen sind. Das ähnelt der Aufgabe Joseph Fischers und seiner Amtsvorgänger seit 1949: Erst nach schwerem öffentlichem Ringen mit sich selbst wird jeder US-geführte Krieg unterstützt. Die Antideutschen sind die fünfte Agitationskolonne für alle Kriege der USA.

Das setzt voraus, daß sie welthistorisch immer zusammen mit den USA recht behalten, also gewinnen. Zu dem Zeitpunkt, da George W. Bush in Pilotenuniform auf einem Flugzeugträger »Mission accomplished«, das offizielle Ende des Irak-Krieges, feierte, war von Gremliza im konkret-Maiheft 2003 zu lesen: »Der Nahostexperte teilt die Bevölkerung des Irak in haßerfüllte Sekten, deren Mitglieder sich gleich nach dem Abgang Saddams Husseins die Gurgel durchschneiden: Kurden, Schiiten und Sunniten, mancher hat noch ein paar Christen auf der Hitliste, und läßt Hunderttausende dem Regime verschworene Elitesoldaten und Geheimdienstler die Städte im Kampf um jedes Haus bis zum letzten Atemzug verteidigen. Recht gegen diese Experten von ARD, ZDF, RTL, FAZ, Junge Welt undsoweiter sollte kein Dümmerer behalten als der Chauffeur Michael Schumacher, der zum Kriegsbeginn gemeint hatte: »Die Menschen im allgemeinen wollen leben.« Der auf den recht behaltenden Michael Schumacher sich beziehende konkret-Experte konnte von Abu Ghraib oder von Falludscha noch nichts ahnen. Der Krieg war ja für beendet erklärt.

Im selben Text zitiert Gremliza die Redaktion einer Berliner Vierteljahresschrift, deren Namen er nicht nennt: »Mit größter Genugtuung nimmt die Redaktion zur Kenntnis, daß der Sieg der antifaschistischen Koalition eine schwere Niederlage Deutschlands bedeutet, nicht nur seiner Regierung, sondern auch jener 90 Prozent der Landsleute, die sich dem unmenschlichen Machtkalkül ihrer Oberen vorbehaltlos angeschlossen haben. Aber warum, ihr Lieben, mußte der Sieg über Deutschland auf den Knochen der von euch in ihrer politischen Weitsicht bewunderten Bevölkerung Bagdads errungen werden? Warum wenn ihr schon dabei seid, Weltpolitik zu treiben (Die Redaktion beglückwünscht die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritanniens), fordert ihr die antifaschistische Koalition Bush/Blair nicht auf, ihre Bomben statt auf Bagdad gleich auf die 90 unmenschlichen Prozent in der Hauptstadt des wirklichen Feindes zu werfen? Doch nicht etwa, weil ihr in Berlin wohnt und nicht in Bagdad?«

Das lehrt: Die Evolution des Antideutschen vom Affen zum Zoologen verläuft nicht geradlinig, sondern sprunghaft und unberechenbar. Es kommt zu Abspaltungen und zum Kampf um die wenigen Glaubensartikel. Man läßt die Kriege gern von den USA führen, ob man sie aber gleich antifaschistisch nennen muß, ist für Antideutsche ein echtes Problem. Das Pro und Contra über die Dreifaltigkeit Gottes oder die Jungfräulichkeit Marias hat schon ganz andere Kirchen gespalten.

Zusammengefaßt: Die ganze antideutsche Angelegenheit bindet in der Bundesrepublik-West einige tausend, vielleicht einige zehntausend Leser verschiedener Publikationsorgane in Beschäftigung mit Glaubens- und Aberglaubenssätzen unterschiedlicher Qualität – »konkret«, »Jungle World«, »Bahamas« und andere. Sie haben ihre Verstärker bei Springer, Gruner & Jahr und Holtzbrinck: Wer vom genetisch oder semantisch bedingten deutschen Antisemiten redet, muß nicht viel über Hartz IV oder die deutschen Kriege reden. Manche Diskussion in linken Parteien etwa zum Nahostkonflikt oder zum Irak-Krieg läßt ein Echo antideutscher Agitation unschwer erkennen. Kongregationen antideutscher Couleur finden sich in verschiedenen Großstädten. In gut bundesdeutscher Tradition werden dabei Glaubenssätze gegen Glaubenssätze verhandelt. Das mehr praktische Behindern des deutschen Imperialismus überließ man schon früher der DDR, der Sowjetarmee, der NVA, dem MfS und seinen Kundschaftern. Deren Verschwinden nahm man kaum zur Kenntnis, man hatte ja seinen eigenen Überbaubetrieb, in dem es nie grob sinnlich zuging. Da man schon nicht an die Herrschaft kam, übernahm man kurzerhand die herrschenden Ideen oder drehte sie einfach um. Herauskam in jedem Fall: Nur kein Befassen mit dem, was der Imperialismus gerade hier und anderswo anrichtet.

Die deutsche Ideologie der Bundesrepublik findet in den Antideutschen ihre ideale Ergänzung und Kompensation: Was in Rom gezeugt und in Washington geboren wurde, verlangt einfach nach moralischer Stärkung durch die Apotheose des US-Antifaschismus.

Unterschiede

Soviel zum abstrakten Ganzen, nun zu Einzelheiten. Es gibt nämlich Unterschiede. 1990 ist nicht 2001 und erst recht nicht 2005 mit der zweiten Amtszeit von George W. Bush und der gemeinsamen Beratung mit dem deutschen Kanzler über die nächsten Kriege. Die Antideutschen 1990, und in diesem Jahr liegt ihr Ursprung, sind andere als die des Jahres 2001 oder gar dieses Jahres. In Mainz, wo sie mit 20 Leuten die Cheerleader für Bush machten, war es vermutlich schwierig, Schröder als Helfer des Islamfaschismus anzuschwärzen.

Das macht die Sache etwas unübersichtlich. Ich versuche eine Sortierung und muß dazu sagen: Ich halte mich an Sekundärliteratur, die Originale sind einfach zu ermüdend. Karl Valentins »net mal ignorieren« schien mir stets angebracht, zumal man ohnehin in allen Medien ständig auf antideutsche Scherzartikel stößt, mit ihnen überschüttet wird. Ich zitiere das ND vom Donnerstag, dem 17. Februar, eine Buchbesprechung, erster Satz: »Die Wahlen (ohne Anführungszeichen, A.S.) im Irak haben gezeigt: Es gibt dort eine relevante Mehrheit in der Bevölkerung, die es sich trotz der Drohungen aus dem baathistisch-islamistischen Untergrund nicht nehmen lassen will, sich in Demokratie zu üben.« Von den 14 Millionen Wahlberechtigten Irakern gingen ungefähr acht Millionen zu dieser, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer es im »Freitag« dieser Woche sagte, von der US-Besatzung angeordneten Volkszählung.

Zu dem Zeitpunkt, da die »Wahlen« im Irak es dem vergrößerten Deutschland erlauben, endlich mit den USA zusammen in die Besatzung von »Europas Tankstelle« (Michael Naumann) einzusteigen, erscheint pünktlich der Sammelband jener Antideutscher, die den Irak auf dem Weg »von einer Republik der Angst zu einer bürgerlichen Demokratie« sehen. Man findet dort großartige Auskünfte über die Verfassung des Irak und die geistige einiger Antideutscher. Ich zitiere aus einem Beitrag von Thomas Uwer und Thomas von der Osten-Sacken. Sie malen darin aus, welche Verlotterung die US-Army vorfand, als sie Bagdad befreite: »Bagdad und mehr noch die vernachlässigte nicht-sunnitische Provinz, befanden sich in einem Zustand der vollständigen Verwahrlosung. Wochenlang kämpften die einmarschierenden Amerikaner damit, die einfachste Versorgung aufrechtzuerhalten. Keine städtische Angestellte und kein Verkehrspolizist erschien am ›Tag danach‹ zur Arbeit, ausgebrannte Ministerien überragten eine Stadt, in der noch monatelang Kriminelle die Straßen unsicher machten, die zuvor von Saddam Hussein amnestiert worden waren.« Eine gewisse Empörung über die Unsauberkeit der Straßen, auf denen die GIs ihrem Handwerk nachgingen, ist nicht zu verkennen. Einige Putzkolonnen hätten die Bagdader schon abstellen können. Aber dazu sind sie nicht in der Lage, habituell, vielleicht auch aus genetisch-soziokulturellen Gründen. Als jemand, der einige Jahre in der DDR lebte, bevor er zurückgeholt wurde, habe ich die verhaltensbiologischen Kenntnisse Westdeutscher über DDR-Bürger stets bewundert: Uwer und von der Osten-Sacken zählen zu den einschlägigen Experten, die – wie z. B. der »Spiegel« – schon längst wissen, daß DDR und Saddams Irak im Grunde dasselbe sind: Der irakische Widerstand, war im Hamburger Magazin zu lesen, sei auf Ausbildung durch »Stasi« und »Vopos« zurückzuführen. Uwer und von der Osten-Sacken dürfen aber zukünftig als die Entdecker der gemeinsamen inneren Antriebsschwäche bei Ostlern und Irakern gelten: »So hatte das irakische Baath-Regime, indem es alle persönlichen Willensäußerungen unterdrückte und unter den Generalverdacht stellte, Ausdruck der Kollaboration mit dem Feind zu sein, nicht nur eine unheimliche Interesselosigkeit erzeugt, die tiefer reicht als jene aus den ehemals sozialistischen Staaten des Ostblocks oft berichtete Haltung, selbst kleine Reparaturen und Arbeiten nicht vorzunehmen, da man dies als Staatsaufgabe betrachtet.«

Auf der folgenden Seite des Buches berichten die Autoren übrigens von einer »Gruppe aufgeregter Männer«, die sich in Bagdad über eine wilde Müllhalde mitten in ihrem Wohngebiet beschwerten und die Amerikaner dafür verantwortlich machten. Dabei, so die deutschen Fachleute in einer realitätssatten Formulierung, hatten die Anwohner selbst den Müll dorthin geworfen: Sie stellten aber »selbst das Einfachste noch in den Bereich hochgradig abstrakter Sinnzusammenhänge«.

Nach vermutlich 100000 toten Irakern unter der Besatzung, nach dem Massaker von Falludscha, den Folterszenen von Abu Ghraib und Guantánamo, nach der monatsweise umformulierten Begründung, warum es notwendig war, den Irak nach zwölfjährigem Bombardement und Hunderttausenden Toten als direkter Folge der Sanktionen, noch einmal mit Krieg zu überziehen, darf man bei einem solchen Buchtitel natürlich nicht von faschistoidem Charakter sprechen. Die Leutchen wollen lediglich »Demokratie«, eben das, was ihnen im politologischen Katechismuskurs als solche beigebracht wurde. Da kann man ein paar Tote, die im Leben ohnehin nicht von selbst zur Kleinreparatur neigten, schon mal übersehen.

Präventiver Antikommunismus

Die neueren Antideutschen begannen mit der These, daß von der 1990 vergrößerten Bundesrepublik eine besondere Gefahr ausgehe. Das knüpfte an eine Sicht auf deutsche Zustände an, die in der Linken Tradition hat. Die heutigen Antideutschen arbeiten für die Restauration, die seinerzeit bekämpft wurde.

Bernhard Schmid hat in dem Band »Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken« kürzlich die Geschichte der jüngsten antideutschen Bewegung unter dem Titel »Deutschlandreise auf die Bahamas. Vom Produkt der Linken zur neoautoritären Sekte« nachgezeichnet. Demnach entstand die Strömung weder grund- noch anlaßlos. Schmid macht in seinem Artikel so etwas wie einen Urtext der Antideutschen aus, der unter dem Titel »Warum die Linke antideutsch sein muß« im Februar 1990 in der marxistischen Monatszeitung AK, dem früheren Organ des Kommunistischen Bundes (KB) erschien. Der Autor war Jürgen Elsässer.

Er griff eine These auf, die von der deutschen Linken seit dem Vormärz, seit den Jahren vor der Revolution von 1848, immer wieder formuliert wurde. In den Worten von Marx 1844 lautet sie: »Wir haben nämlich die Restaurationen der modernen Völker geteilt, ohne ihre Revolutionen zu teilen.« Diese Auffassung bestimmte nicht nur die Sicht von Marx und Engels ebenso wie die der Junghegelianer oder die von Heinrich Heine auf deutsche Zustände. Ein Echo läßt sich noch in Alexander Abuschs »Der Irrweg einer Nation« (1946) oder in den Reflexionen von Georg Lukács seit 1933 darüber, warum Deutschland zum Zentrum der imperalistischen Reaktion werden konnte, d. h. in seinen Vorarbeiten für die »Zerstörung der Vernunft« von 1954 und in diesem Buch selbst finden.

Neuer alter Imperialismus

Die Vorgänge in der DDR Ende 1989/1990 waren kein neues 1933, aber sie öffneten den Weg zu einer neuen, alten Position des deutschen Imperialismus in der internationalen Politik. Die rabiate Art und Weise, mit der Kohl den Anschluß der DDR zu vollziehen gedachte, gestützt auf das Votum der Wählermehrheit, war erkennbar. Die klare Ansage »Wenn Ihr die D-Mark wollt, müßt Ihr mich wählen« war bereits im Umlauf und wurde am 18. März 1990 bei den Volkskammerwahlen befolgt. Elsässer faßte das Anfang Februar so zusammen: »Ein Staat schüttelt eine geographische und eine politische Begrenzung ab, die sein expansionistisches und vielleicht sogar faschistisches Potential in den letzten 40 Jahren bändigte.« Er prognostizierte: Wenn die Nachbarstaaten den Vollzug der Vereinigung der beiden deutschen Staaten hinnähmen, »wer wollte ihnen (den Deutschen) dann noch die Atombombe, die Streichung des Asylrechts aus der Verfassung, die Beteiligung an Militärinterventionen untersagen?« Mehr Klarsicht über das Bevorstehende konnte man zu diesem Zeitpunkt schwer finden. Elsässers Schlußfolgerung lautete: In dieser Situation gelte es, eine scharfe Gegenposition zur herrschenden Tendenz zu beziehen, denn die »Dynamik der Ereignisse kann alle Halbheiten innerhalb von Monaten, ja Wochen aufdecken.« Daher sei eine »antinationalistische und damit antideutsche Sicht, um die aktuellen Vorgänge begreifen und Gegenstrategien entwickeln zu können«, erforderlich. Zu fordern sei »die Auflösung des deutschen Volkes in eine multikulturelle Gesellschaft«.

Elsässer stellte 1990 eine Frage, die sich aus der oben genannten These ergibt, und die z. B. Georg Lukács seit 1933 immer wieder aufwarf: »Was macht es für die deutsche herrschende Klasse bis heute so leicht, über den Nationalismus die Unterdrückten an ihre Ziele zu binden?« Elsässers Antwort lautete: »Der Nationalstaat wurde – im Unterschied zu den bürgerlich-demokratischen Prozessen in Frankreich und England – nicht vom Volk erkämpft, sondern von oben mit Blut und Eisen durchgesetzt.« Und weiter: »Die Ablösung des preußischen Junkerstaats und die Ablösung des Faschismus – beides erreichte das deutsche Volk nicht aus eigener Kraft, sondern nur im Ergebnis verlorener Kriege. Diese grausame Lehre aus den Klassenkämpfen, daß sich Widerstand nicht lohne … dies alles hat sich tief in die deutsche Psyche eingeschrieben.« Daraus folge, daß »die Massenbasis für aggressive rassistische und nationalistische Politik hierzulande größer ist«, als in vergleichbaren Industrieländern. Elsässer spricht in diesem Zusammenhang von der »Perspektive eines Vierten Reiches«.

Das knüpft dem Gehalt nach direkt an die erwähnten Auffassungen von Marx und Engels, Abusch, Lukács und anderen an. Wobei zu vermerken ist, daß Georg Lukács in seiner Aufarbeitung der »Zerstörung der Vernunft« vor allem die deutschen bürgerlichen Intellektuellen und ihre philosophischen Ikonen wie die Romantik, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, die Lebensphilosophie und Oswald Spengler als »Kopflanger« des Imperialismus kennzeichnete. Sie übten auf jenes akademische Publikum, das den deutschen Faschismus nicht erst 1933 in Schulen und Hochschulen, in den höheren Rängen des Staatsapparates und der Kirchen mittrugen, wichtigen Einfluß aus.

Elsässer erhielt nach der Darstellung von Schmid bereits 1990 erheblichen Widerspruch, etwa von Knut Mellenthin, der darauf hinwies, daß der entscheidende Übernahmeprozeß der DDR und Osteuropas in der Ökonomie stattfinde und eine Bekämpfung des deutschen Nationalismus sich bestenfalls an Symptomen festmache.

Postmoderner Antifaschismus

Die These, daß zwischen Herrschenden und Beherrschten in Deutschland eine besondere Symbiose existiere, die von der in anderen Ländern zu unterscheiden sei, ist der rationelle Ausdruck für die rassistische Wirrnis in bezug auf Deutsche, aber auch in bezug auf andere, wie zu sehen war, in der antideutschen Ideologie. Ich setze als These dagegen, daß die weltweite Dominanz des von den USA und Großbritannien ausgehenden neoliberalen Paradigmas in Gesellschaft und Ökonomie seit Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre zwar jeweils auf nationalstaatlicher Ebene Idiotisierung und Brutalisierung, einschließlich Schürung xenophober Stimmungen einschließt, Unterschiede zwischen den handelnden Politikern, Medienkonzernen und Wirtschaftsgurus aber kaum mehr auszumachen sind. Der Rückbau sozialstaatlicher Regelungen geht in allen imperialistischen Ländern mit sozialer Demagogie, Abschottung und Deportation, Militarisierung der Außenpolitik und Rechtsnihilismus einher.

Man kann das mit Werner Pirker und Willy Langthaler (in ihrem Buch »Ami go home«) »Amerikanismus« nennen. Die Autoren führen zu dessen näherer Charakteristik den Begriff »monopolisierten Universalismus« von Bernhard Taureck an, d. h. »die Segnungen der amerikanischen Zivilisation als Angebot an die ganze Welt«. Die Ersetzung des Völkerrechts durch die »Unterordnung der Herden- unter die Herrenvölker« ist der sozialdarwinistische Inhalt dieser Art von Internationalismus, der von einer höheren Moral getragen wird. Sie entspringt aus der Neubegründung »der amerikanischen Führerschaft über Freiheit und Demokratie« nach dem Sieg über das »System der Unfreiheit«, die Sowjetunion. Im Irak 1991 und in Jugoslawien bestätigten sich die USA »als das einzige für das imperialistische Gesamtsystem unverzichtbare Land«. Die Manipulation des Demokratiebegriffs zur Unterwerfungsformel unter die Marktideologie und die Verkehrung des Antifaschismus sind nach Pirker/Langthaler wesentliche Bestandteile heutiger »Zerstörung der Vernunft«. Nach dem »Sieg über den Totalitarismus« war der Bedarf an einer Totalitarismustheorie weiter vorhanden. Die Autoren schreiben: »Was in der alten Totalitarismustheorie versteckt enthalten war, rückte nach dem Sieg über den Kommunismus plötzlich in den Kern des neuen Antitotalitarismus: der Faschismus als das absolute, abstrakte – rational nicht erklärbare – Böse. Ebenso wie der Antitotalitarismus die Fortsetzung der hitleristischen Kreuzzugsideologie war, um Lukács noch einmal aufzugreifen, stellt der Antifaschismus der Eliten die Fortsetzung der Totalitarismustheorie dar. Es bedurfte des Faschismus als Gegenbild zum neoliberalen Vorbild. Der postmoderne Antifaschismus ist, wie der italienische Philosoph Costanzo Preve in einem Interview für die Berliner Tageszeitung junge Welt (15. Januar 2003) sagte, präventiver Antikommunismus. Der Faschismus (vor allem der Rechtspopulismus) ist nur der Sparringpartner für künftige, um die soziale Frage zentrierte Auseinandersetzungen. Die Denunziation antikapitalistischer Regungen oder bereits der zahmsten Kritik am Finanzkapital als tendenziell antisemitisch läßt das ideologische Arsenal erkennen, mit dem einem Comeback des Kommunismus begegnet werden soll. Der bürgerliche Mainstream-Antifaschismus ist eines der wichtigsten Transportmittel der amerikanischen Ideologie.«

Rot = Braun

Hier sei noch auf einen weiteren Aspekt aufmerksam gemacht. So wie im Zeichen des Neoliberalismus die soziale Verfaßtheit der Nationalstaaten zerstört wird, geht dem die Gleichmachung der Kulturen tendenziell parallel. Es ist eine weltweite Industrie, in der Hollywoods Produktionen und der deutsche »Untergang«, die Ersetzung des Lesens durch die Talkshow und der Ersatz von historischer Bildung durch die Bilder Guido Knopps produziert werden. Unter den Medien schweigen die Musen, meinte Peter Hacks. Angeboten werden kulturelle Ersatzstoffe, in denen Originale nur in verwursteter Form rezipiert werden, Abschottung von der Realität oberstes Gebot ist. Die Medien haben vor allem zwei Aufgaben: Desorganisation durch Desinformation und die Mobilisierung zum jeweils fälligen Krieg nach innen und außen.

Die heutigen Antideutschen haben in dieser Konstellation ihren festen Platz. Nachdem sich herausstellte, daß Deutschland durchaus eigene Ambitionen weltpolitischer Art entwickelte, sie aber auf lange Sicht nur im Bündnis mit den USA durchsetzen kann – Musterfall die Zerschlagung Jugoslawiens – verlor die Warnung vor dem nächsten deutschen Griff zur Weltmacht an Substanz. Die Bundesrepublik dominiert Europa, aber nur im Zusammenspiel mit den anderen Mächten.

Endgültig in den Rang eines Aberglaubensartikels rückten die Antideutschen Mitte der 90er Jahre mit der Entdeckung des Antisemitismus als dem Ideologem, das das Deutschtum aus ihrer Sicht konstituiert. Das entsprang einem Argument, das Mitte der 90er allgemeine Popularität im Zusammenhang mit dem Buch des US-Historikers Daniel J. Goldhagen über den »eliminatorischen Antisemitismus« der Deutschen erhielt. Antisemitismus gilt von Springer bis taz seither als eine allgegenwärtige deutsche Erscheinung, die sich vor allem in linker Kritik an israelischer Regierungspolitik manifestiert. Antisemitismus ist danach besonders dort virulent, wo linke Israelis oder Vertreter der israelischen Friedensbewegung zu Wort kommen wie in junge Welt. Dieser linke Antisemitismus wurde mittlerweile in historischen Traktaten mindestens bereits bei Marx diagnostiziert, inzwischen ist man schon bei den deutschen Bauernkriegen.

Bei der Spaltung der jW-Redaktion im Mai 1997 war der Antisemitismus-Vorwurf bereits populär als Allzweckwaffe. In der ersten Ausgabe von Jungle World, die Neues Deutschland und einen Tag später der taz beilag, war zu lesen, daß »Nationalbolschewisten«, »Schwulenklatscher« und »Antisemiten« in der jW-Redaktion das Heft übernommen hätten. Diese Redaktion sei von der DKP gesteuert und von Havanna bezahlt oder umgekehrt, wie der spätere Mitarbeiter der PDS-Bundestagsfraktion Ivo Bozic seinerzeit auf einer jW-Genossenschaftsversammlung erläuterte.

Damit ist ein Bezugskreis genannt, der es nötig macht, von Zeit zu Zeit das »Nicht mal ignorieren« aufzugeben. Das Abnabelungstrara von jW, materiell nicht unerheblich gestützt, war ein Baustein in jener Brücke, die einige in der PDS und ihrem Umfeld überschreiten wollten, um endlich »anzukommen«.

Das »Dazugehören« in der Bundesrepublik setzt den Verzicht auf jede Form von Imperialismus- oder Kapitalismuskritik, eine Reduktion des Antifaschismus auf die Bekämpfung des Antisemitismus in der Art Goldhagens, der »Holocaust«-Fernsehserie oder des »Aufstandes der Anständigen« voraus. Es schließt ein, den antifaschistischen Widerstand von Kommunisten durch die Brille der Totalitarismusdoktrin zu betrachten und DDR-sozialisierte Menschen grundsätzlich, weil Rot=Braun, für noch mehr Nazi als im Westen zu halten. Dazu gehört, jede Kritik an den USA für Antiamerikanismus und jede an israelischer Politik für Antisemitismus zu erklären. Die antideutsche Presse liefert dafür Zuträgerdienste.

Mobilisierung zum Krieg

Mit Erfolgen dieser Art begnügten sich die Antideutschen allerdings nicht. Ihre Unterstützung für den Irak-Krieg und die Koalition der Willigen gibt es in zwei Varianten: In der umstandslosen Erklärung dieses Krieges zu einem antifaschistischen Krieg, eine Auffassung, die nicht nur Hans Magnus Enzensberger oder Wolf Biermann, zwei hervorragende Stichwortgeber der Antideutschen, vertreten, oder in der zurückhaltenderen Gremlizas. Wolf Biermann erklärte gerade in »Bild«, wenn keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden worden seien, störe ihn das nicht, die größte Massenvernichtungswaffe sei Saddam Hussein gewesen.

Die mildere »konkret«-Version geht ungefähr so: Die USA sind auf dem absteigenden, Deutschland ist auf dem aufsteigenden Ast. Daher ist der Krieg nötig, der aber leider beide Tendenzen befördert.

Im antideutschen Wirrsinn kommen historische Durchblicke à la Enzensberger hinzu, wonach Hussein ein Wiedergänger Hitlers sei, deutsche Faschisten und arabische Nationalisten kontinuierlich seit 1933 zusammenarbeiteten und Hitler wie Hussein von der Vernichtung New Yorks geträumt haben. Das Bündnis von deutschem und Islamfaschismus ist eine Achse des Bösen, von der George W. Bush keine Ahnung hat, die Antideutschen sind da einfach besser informiert. Oder auch: »Von Goebbels totalem Krieg zu Schröders totalem Protest ist es ein kurzer deutscher Weg. Deutschland heute, das ist ein antirassistisches Friedensmonster mit einem seit 1945 ungebrochenen Herrenmenschen-Willen zur überlegenen antiimperialistischen Volksgemeinschaft.«, so der Bahamas-Redakteur Sören Pünjer. Sachwalter der Vernunft aus dieser Perspektive sind die US-Neocons, die Strategen eines Exports der Demokratie. Deutschland steht mit seinem Konzept ökonomischer Durchdringung der »Dritten Welt« dem entgegen wie seinerzeit die Entspannungspolitik Brandts und Bahrs der Politik der Erstschlagsdrohung. Heute ergibt sich daraus ein Bündnis zwischen Deutschland und der Dritten Welt gegen die USA.

Spielart des Irrationalismus

Das heutige Antideutschtum ist eine Spielart des zeitgenössischen Irrationalismus, allerdings in einer aggressiven Variante. In seiner postmodernen Ausformung denunziert der Irrationalismus Vernunft als große Erzählung, als Mythos und feiert die Beliebigkeit einer freien Subjektivität. Für die Antideutschen gilt nicht einmal der Schein von Emanzipation. Sie ist ihr Hauptgegner. Wer sich dem Zugriff des transnationalen Kapitals entziehen will, wird zum Feind erklärt. Gut und Böse verlaufen an der Grenze zwischen Unterordnung unters Gebot des Monopols oder Auflehnung gegen dessen schrankenloses Walten. Wer die Deutsche Bank kritisiert, weil sie bei höchstem Profit zuerst an Entlassungen denkt, denkt nach dieser Lesart allein daran, daß Deutsche beschäftigt werden müssen. Die Gut-Böse- und Freund-Feind-Technik charakterisiert die Strömung als Glaubensgemeinschaft in der Art des angelsächsischen christlichen Fundamentalismus, als eine Gruppierung im Geiste Carl Schmitts.

Sie bereitet einen Boden, der von anderen bestellt wird, wenn es nötig sein sollte. Und das nicht ohne Erfolg gerade unter gesellschaftskritisch eingestellten Jugendlichen. Die Haltung der CDU-Vorsitzenden zum Irak-Krieg gab einen Vorgeschmack. Die antideutsche Richtung entwertet den Antifaschismus zu einer leeren Phrase, indem sie ihn konsequent von jedem Antiimperialismus trennt. Ohne Imperialismuskritik gibt es keinen Antifaschismus. Deren Trennung voneinander besagt, wessen Geschäfte die Antideutschen betreiben.

Aus junge Welt, 18. und 19.03.2005

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