In der medialen Öffentlichkeit Österreichs wird seit Wochen einer Initiative von inzwischen etwa 300 römisch katholischen Pfarrern um den früheren Caritas Direktor und derzeitigen Pfarrer in Probstdorf Helmut Schüller erheblicher Unterhaltungswert beigemessen und deshalb angemessen aufbereitet. Natürlich geht es bei dieser Initiative nicht um das Engagement von Pfarrern zur Verhinderung der von der EU geführten neokolonialen Kriege, an denen Österreichs Außenpolitik indirekt beteiligt ist und von denen einige Konzerne in Österreich profitieren, es geht natürlich auch nicht um den Kampf gegen die „Zivilisation des Reichtums“, wie das Befreiungstheologen in Lateinamerika als Richtschnur ihres Wirkens für die Menschen genommen haben, das liegt diesen von bewegten katholischen Laien unterstützten Pfarrern völlig fern. Inhalt ihres „Aufrufs zum Ungehorsam“ sind Forderungen nach Abschaffung des Zölibats, nach der Priesterweihe für Frauen oder nach Zulassung von Wiederverheirateten, also von Geschiedenen zur Kommunion, was nach katholischem Ritus spirituell etwas mit Leib und Blut ihres angenommenen Gottessohnes zu tun hat.

Die katholisch kleinbürgerliche Welt in Österreich will ihre privaten religiösen Bedürfnisse von einer ihren Vorstellungen unterworfenen Katholischen Kirche stillen lassen. Da muss manches unter den Tisch gekehrt werden. Der Theologe Karl Rahner, der für viele Reformansätze in der katholischen Kirche als Referenz herhalten muss, wird zum Beispiel in Bezug auf seine Haltung zum Zölibat vornehm verschwiegen. Dazu meinte er: „Die Leute, die gegen den Zölibat sind, sollten dann mindestens die Leute sein, um es jetzt einmal pathetisch zu sagen, die sich für die Aussätzigenseelsorge oder –pflege melden, die als Arbeiterpriester so leben wie ein einfacher Arbeiter. Dann würden mir alle diese Tendenzen christlich glaubwürdiger vorkommen“. Karl Rahner stellt solchen Leuten noch die rhetorische Frage: „Willst du nicht im Grund genommen deine bourgeoise Lebensweise auch noch in dieser Hinsicht abrunden?“

Quelle: kominform.at