Von Johann Zauner

Als 1498 das erste Mal eine spanische Expedition die Küstengebiete der südlichen Karibik abfuhr, sahen sie Pfahlbauten der einheimischen Bevölkerung und gaben daher diesem Gebiet den Namen Venezuela – „klein Venedig“. Unter der Kolonialherrschaft wird vor allem Kakao durch Sklavenarbeit erzeugt. 1810 kommt es, gestützt auf die Oligarchie, zum Ausbruch der Unabhängigkeitskriege, wobei diese Bewegung zu Beginn keine Unterstützung durch die Massen fand, da weder eine Landreform noch die Befreiung der Sklaven vorgesehen ist. 1819 entsteht die Republik Groß-Kolumbien bestehend aus Kolumbien, Ecuador, Panama und Venezuela, die allerdings kaum zehn Jahre später in ihre Einzelteile zerfällt. Anfang des 20. Jahrhunderts wird den Ölgesellschaften freier Zugang zu den Ressourcen gewährt. Bis kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wechseln sich meist in Fünfjahreszyklen nach Pseudowahlen Regierungen unter dem Vorsitz eines Generals ab.

Im Oktober 1945 kommt es zu einem Militärputsch durch eine sogenannte zivil-militärische Bewegung bestehend aus der Partei Acción Democrática (AD) unter Rómulo Betancourt und der Armee unter General Marcos Pérez Jiménez. Vorbereitet wurde dieser Umsturz durch Massenmobilisierungen, gezielte Verleumdungen und Desinformationen gegen die für ihre Zeit liberale und sicher auch fortschrittliche Regierung. Die ersten Wahlen 1947 gewinnt er Kanditat der AD, wird allerdings schon ein Jahr darauf von Pèrez Jiménez weggeputscht.

Im Jänner 1958 kommt es zum Volksaufstand und im Abkommen von Punto Fijo werden die Rahmenbedingungen für die darauffolgenden Jahrzehnte Demokratie festgelegt („Puntofijismo“, alle fünf Jahre Neuwahlen): Regierungen, gestellt von einer der beiden großen Parteien, der sozialdemokratischen AD und der christlichsozialen COPEI (Rafael Caldera), wechseln sich in der Verantwortung ab. Vor allem der Beginn dieser Phase ist gekennzeichnet durch eine Stabilisierung der Wohlstandssituation wegen der Rente aus den Erdöleinnahmen, durch die Verbesserung der Beziehungen zu den USA und durch die Erweiterung der politischen Rechte. Dabei wurde die arme Mehrheitsbevölkerung jedoch nicht berücksichtigt, was bis zum Anfang der 70er Jahre durch das Führen eines Guerillakrieges seinen Ausdruck fand.

1976 kam es unter Carlos Andres Perez (AD) zur Verstaatlichung der Öl- und Eisenvorkommen. Große Staatsbetriebe entstehen und fast alle Privatbetriebe werden subventioniert. Ziele sind außerdem die Forcierung eines gemeinsamen lateinamerikanischen Wirtschaftssystems sowie die Unterstützung der neuen internationalen Wirtschaftsordnung.

1982 kommt es zu einer ersten Krise, wie in anderen Ländern auch, vgl. Mexiko: die Öleinnahmen sinken, Auslandsverschuldung sowie Inflation nehmen zu. Aber auch durch das Einführen einer Devisen- und Außenhandelskontrolle kann diese Dynamik nicht gebremst werden und der weitere Anstieg von Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Armut führt zu einem Regierungswechsel 1983 zugunsten der AD. Mit einem Sozialpakt und der staatlichen Kontrolle der Wirtschaft wird versucht, dem beizukommen. 1986 kommt es zur Umschichtung der Auslandsschulden. Weil aber der Ölpreis fällt, muß schon ein Jahr darauf erneut umgeschuldet werden.

1988 wird Carlos Andres Perez erneut Präsident und kurz darauf kommt es wegen der sozialen Spannungen zu Aufständen und Plünderungen mit entsprechender staatlicher Repression durch Polizei und Militär, dem so genannten Caracazo 1989 mit ca. 250 (Regierungsangaben) respektive über 1000 (inoffizielle Angaben) Toten. Der Unmut in der Bevölkerung wächst, auch die AD distanziert sich von ihrem Präsidenten. Des weiteren ist wegen der vorherrschenden Korruption die Kontrollfunktion des Kongresses mangelhaft.

Das führt 1992 zunächst im Februar zu einem erfolglosen Putsch mit Beteiligung von Hugo Chavez, mit anschließenden Streiks, und im Oktober erneut zu einem Putschversuch. 1993 wird Rafael Caldera bei einer Wahlenthaltung von 40% Präsident. 40% Inflation, die Hälfte der Bevölkerung in Armut und Menschenrechtsverletzungen gegen Indigene und Gefangene prägen die Situation. Peres wird bis 1996 unter Hausarrest gestellt, macht aber Auslandsreisen und möchte wieder Präsident werden. Seit Ende der 80er Jahre steigen die Kriminalität und die Mordraten, ein Zehntel der Leute in Caracas trägt Waffen. Die seit 1993 beginnende Bankenkrise erreicht ihren Höhepunkt 1995, worauf Caldera verfassungsmäßige Garantien außer Kraft setzt und Auslandsreisen einschränkt. 1996 werden liberale Wirtschaftsmaßnahmen nach den Vorstellungen des Internationalen Währungsfonds IWF eingeleitet.

Es kommt zu Spaltungen in und zwischen den Parteien, worauf das Reformprojekt „Agenda Venezuela“ (Privatisierung von Elektrizitäts-, Eisen- und Aluminiumindustrie; Rechtssystemreform; Umorganisierung der öffentlichen Finanzen) unterbrochen wird.
Im Dezember 1998 wird Hugo Chavez zum Präsidenten gewählt.

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