Bei der Kinderbetreuung gibt es zwischen Ost- und Westdeutschland immer noch immense Unterschiede: Während vergangenes Jahr auf dem Gebiet der ehemaligen DDR mehr als jedes dritte Kind unter drei Jahren auch außerhalb der Familie betreut wurde, war es in den alten Bundesländern nicht einmal jedes zehnte, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

In Ostdeutschland nahmen den Angaben zufolge die Eltern von fast 117000 Kindern unter drei Jahren Angebote der Kindertagesbetreuung in Anspruch. Der Anteil der Kinder in Tagesbetreuung an allen Kindern dieser Altersgruppe, die sogenannte Betreuungsquote, betrug den Angaben zufolge durchschnittlich 39,7 Prozent. In den alten Bundesländern (ohne Berlin) lag die Betreuungsquote hingegen bei nur 8,0 Prozent; in Berlin betrug sie 37,8 Prozent. Die Bundesregierung hatte erst vergangene Woche beschlossen, 2,15 Milliarden Euro für die Schaffung von rund 500000 weiteren Betreuungsplätzen bis 2013 bereitzustellen.

Die höchsten Betreuungsquoten im Kreisvergleich finden sich allesamt im Anschlußgebiet, die drei Spitzenplätze belegen Kreise in Sachsen-Anhalt: der ehemalige Saalkreis mit 57,7 Prozent; gefolgt vom Kreis Schönebeck mit 55,8 Prozent und dem Jerichower Land mit 55,5 Prozent. Die für das Jahr 2013 angestrebte Betreuungsquote von 35 Prozent sei in 84 Kreisen Ostdeutschlands erreicht worden, teilte das Bundesamt mit.

In den alten Ländern wiesen den Angaben zufolge die Universitätsstädte Heidelberg mit 23,3 Prozent und Freiburg im Breisgau mit 22,7 Prozent die höchsten Anteile auf. Die niedrigsten Betreuungsquoten wurden zum Erhebungsstichtag 15. März 2006 im niedersächsischen Kreis Nienburg/Weser mit 1,0 Prozent festgestellt, gefolgt vom niedersächsischen Cloppenburg mit 1,1 Prozent und den bayerischen Kreisen Ostallgäu sowie Straubing-Bogen mit jeweils 1,8 Prozent.

(AP/jW)
Aus: junge Welt vom 12. September 2007

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