Liebe Genossinnen und Genossen!

Ich darf euch im Namen der Kommunistischen Jugend Österreichs sehr herzlich begrüßen und freue mich, dass wir auch heuer wieder gemeinsam mit jungen Sozialistinnen und Sozialisten den Widerstandskämpfern gedenken, die im Kampf gegen Faschismus und Krieg und für ein freies und demokratisches Österreich gestorben sind.

Der Dichter Ernst Wiechert, selbst ein Widerstandskämpfer, der durch das Konzentrationslager gehen musste, schrieb über diese Antifaschisten: „Unter ihnen gab es wenige vom Adel und nicht sehr viele aus den Reihen des reinen Geistes. Unter ihnen gab es viele aus den Bezirken der Kirchen, aber sie alle traten zurück hinter den langen Zügen, die aus den Hütten des armen Mannes bei Tag und Nacht ihren Todesweg antraten. Vieler Jahrzehnte Lasten, Hunger und Qual hat der Arbeiter getragen, Kriegs- und Friedenslasten, aber niemals hat er eine schwerere Last getragen, als in diesen zwölf Jahren. Niemals auch eine ehrenvollere – und keine Hand einer dunklen oder hellen Zukunft soll diesen unvergänglichen Glanz von seiner Stirn waschen.“

Während Industrie und Großbanken, die Herren des großen Geldes die Faschisten finanzierten, während die Offiziere und Polizeichefs, die Richter, Staatsanwälte und Verwaltungsbeamten fast zu 100% in den Dienst Hitlers traten, war es die revolutionäre Arbeiterbewegung, die den Kampf aufnahm.

Kommunisten, Sozialisten und Gewerkschafter wurden zu zehntausenden in die Gefängnisse und Konzentrationslager gesteckt, sie wurden erschlagen oder in die Emigration getrieben. Sie aber trugen den Gedanken der Freiheit, des Friedens und einer sozialistischen Gesellschaft durch die düsterste Epoche der Menschheitsgeschichte. Sie organisierten Hilfe für politisch Verfolgte, sie verteilten illegal Flugblätter, sie sabotierten die mörderische Kriegsindustrie und sie nahmen den Kampf mit der Waffe auf: in den Partisanenbewegungen, in den Reihen der Roten Armee und in den anderen Armeen der Anti-Hitler-Koalition.

Am 8. Mai feiern wir den Tag der Befreiung von der faschistischen Barbarei im Jahr 1945. Nach 12 Jahren fand das „Tausendjährige Reich“ ein Ende, hinterlassen hat es 50 Millionen Kriegstote, halb Europa in Schutt und Asche und einen industriellen Massenmord an Jüdinnen und Juden und weiteren Menschen, die als „rassisch minderwertig“ betrachtet wurden. Die höchsten Repräsentanten des Nazi-Regimes wurden in Nürnberg verurteilt und hingerichtet. Geblieben aber sind die Siemens‘, die Thyssens, die Flicks, die die Nazis finanziert hatten und die aus Krieg und Völkermord dicke Profite gezogen hatten und die ihre Macht rasch wieder herstellen konnten. Und noch heute gibt das Großkapital den Ton an. In seinem Interesse wird die österreichische Neutralität zerstört, in seinem Interesse werden soziale und demokratische Rechte immer weiter eingeschränkt. Konsequenter Kampf gegen Faschismus heißt für uns auch konsequenter Kampf gegen seine Wurzeln: das kapitalistische System.

Und das dieser Kampf notwendig ist, hat uns erst das vergangene Wochenende gezeigt: in oberösterreichischen Städten wurden 100.000 Flugblätter des nazistischen „Bundes freier Jugend“ verteilt. In Kleinreifling fand die Gründungsfeier der rechtsextremen NVP statt. Und in Linz waren Nazi-Plakate und „Anti-Antifa“-Schmierereien zu finden. Wir als KJÖ sehen uns dadurch in unserem Beschluss bestätigt, im Jahr 2009 eine antifaschistische Kampagne zu starten, die auf breiter Ebene gegen rechtsextreme Umtriebe mobil machen soll. Denn wir wollen nicht, dass in Trafiken Nazi-Blätter verkauft werden, wir wollen nicht, dass Faschisten sich wieder offen demonstrieren trauen, wir wollen nicht, dass das Innenministerium entgegen dem Verbotsgesetz rechtsextreme Parteien zulässt und wir wollen auch nicht, das Rechtsparteien und Burschenschaften von Konzernen und Versicherungsgesellschaften finanziert werden. Dagegen wollen wir ankämpfen und würden uns über die Zusammenarbeit mit jungen Sozialistinnen und Sozialisten freuen. Denn die Geschichte lehrt uns vor allem eines: Nur zusammen sind wir stark!

In diesem Sinne: Rotfront und Freiheit!

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