Bescheidene Fortschritte: „Wir haben Warterei satt”

Normal scheinen Studierende die Leitung der Medizinischen Universität Graz (MUG) nicht zu interessieren. Erst wenn sie öffentlich auf ihre Probleme aufmerksam machen, kümmert man sich um sie.

An der MUG müssen Stu dierende bis zu zwei Jahre warten. Studiengebühren sind trotzdem zu zahlen. Am 9.Oktober hatte Vizerektor Gilbert Reibnegger den Studierenden noch geraten, nach zwei Semestern ihre Diplomarbeit zu schreiben, um die Wartezeit zu verkürzen. Zeitgleich waren für eine Pflichtlehrveranstaltung, auf die ca. 130 angehende Mediziner warten mussten, viele Plätze frei. Also bestand eine Gruppe von unnachgiebigen Studenten auf ihrem Recht auf einen Studienplatz. Die an besagter Lehrveranstaltung beteiligten Institute waren sofort bereit, die Studienplätze aufzustocken. Der zuständige Vizerektors lehnte aber ab, ohne sich die Vorschläge der Studierenden auch nur anzuhören. Diese Entscheidung brachte das Fass zum Überlaufen. In einem offenen Brief wandten sich die Studierenden an Rektor Gerhard Franz Walter und verlangten eine Erklärung dafür, dass Lehrveranstaltungen nicht abgehalten wurden, obwohl Personal, Räumlichkeiten und die finanziellen Mittel zur Verfügung standen. Vor versammelter Presse und protestierenden Studierenden versuchte VR Reibnegger noch einmal, die Wogen zu glätten. Man unternähme alles, um die Warteliste abzubauen. Ein Ende der Warteliste sei in zwei Jahren zu erwarten. Auf die Frage einer Studentin, was denn für die Leute auf der Warteliste getan werde, wusste er keine Antwort. Rektor Walter erklärte die Angelegenheit umgehend zur Chefsache und sprach sich für Gespräche aus, die zum Teil schon stattgefunden haben. Bis jetzt gibt es bescheidene Fortschritte, wie eine Aufstockung um 15 Plätze. Die restlichen 115 erwarten sich weitere Anstrengungen, schließlich geht es um verlorene Studien- und verlorene Lebenszeit.

Quelle: Stadtblatt Graz

Hausgemacht

Mit der Einführung des Studienplans setzte die Medizinische Universität Graz (MUG) auf ein neues Konzept. Der Patientenkontakt findet nun im ersten Studienjahr statt und zieht sich durch das ganze Studium – ein Erfolg des Studienplans. Der neue Kleingruppenunterricht nimmt aber bisweilen bizarre Formen an. Vortragende müssen bis zu 15 Mal hintereinander den gleichen Vortrag halten; vor maximal 24 Personen. Für die Lehrenden eine wenig motivierende Belastung. So wie für die Studierenden, die großteils nebenbei arbeiten, weil sie nachmittags oder abends ihre Seminare mit Anwesenheitspflicht besuchen müssen. Alle verlieren. Es ist verständlich, dass Laborräume und ähnliches nur eine beschränkte Personenzahl zulassen. Aber Vorlesungen sollten doch im großen Rahmen abgehalten werden. Die Lehrenden wären motivierter, die Qualität würde steigen, die Kapazitäten der Universität könnten besser genutzt werden, und nicht zuletzt könnte das Wartelistenproblem beseitigt werden. Bisher war die MUG nicht bereit, einen Schritt in diese Richtung zu setzen. Es wird also auch weiterhin der Druck der Studierenden notwendig sein, um Verbesserungen durchzusetzen. Wie man sieht, ist geschlossenes Vorgehen der Betroffenen auch der einzige Weg, etwas positiv zu verändern.

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