Zu den verschwiegenen Erfolgen Kubas gehört seine Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik. Der Sozialwissenschaftler Steffen Niese, der sich vor Ort mit diesem Thema beschäftigt hat, trug Ende Juni im Museum Bochum in einem Vortrag interessante Fakten zu dem Thema zusammen.

Die Vereinten Nationen haben Nachhaltigkeit mit der Bedingung „nicht auf Kosten der Natur, anderer Menschen, anderer Regionen und anderer Generationen zu leben“ definiert. Kuba hat spätestens mit Beginn der Spezialperiode begonnen, seine Umweltpolitik umzustellen. Untermauert wurde das durch verschiedene Anmerkungen in Reden von Staatspräsident Fidel Castro, der immer wieder auf die Notwendigkeit eines Umlenkens hingewiesen hat, wenn die Menschheit überleben will.

1993 führte Kuba eine betriebliche Ökosteuer ein, schuf bald darauf eine Technische Universität für erneuerbare Energien, verabschiedete mehrere Umweltgesetze und entwarf eine nationale Umweltstrategie. Außerdem wurden Stadtgärten eingerichtet, in denen biologische Lebensmittel angebaut werden. In der Landwirtschaft ging der Einsatz von Chemikalien und Düngemitteln – auch bedingt durch deren nicht mehr tragbare Kosten innerhalb der Período Especial – von 1989/90 bis 2003 um neunzig Prozent zurück.

2006 wurde als das „Jahr der Energierevolution“ ausgerufen: neue Kraftwerke wurden installiert, der Einsatz regenerativer Energien gefördert, auf der Isla de la Juventud werden Windkraftanlagen auf ihre Standhaftigkeit bei Hurrikans erprobt, Energie wird verstärkt aus Zuckerrohr gewonnen, ein Programm zum Austausch alter Glühbirnen gegen Energiesparbirnen wurde umgesetzt, alte Kühlschränke können gegen geringe Kosten gegen energiesparendere umgetauscht werden.

Auch in der Natur tut sich manches: die Waldfläche stieg zwischen 1990 und 2006 von 14 auf 25 Prozent. So genannte „grüne Medizin“, also Naturheilpflanzenverfahren, hat eine Renaissance erfahren.

Dass all das wenig bekannt ist, muss sich ändern. Die Meldung, dass Kuba das einzige Land der Welt ist, das nach WWF-Kriterien eine nachhaltige Entwicklung hat – gemessen am „ökologischen Fussabdruck“ des Menschen im Verhältnis zum UN-Index für menschliche Entwicklung (d. h. Sozialpolitik und Lebensqualität) – , stand am 3. November in der UZ. Sonst war es in Deutschland – außer in Granma – wohl nirgends eine Meldung wert. Vielsagend auch der Bericht selbst: dass Kuba das entsprechende Land war, stand nicht im Fließtext. Nur der Grafik und der Legende, so Steffen Niese, ließ sich nach Suche entnehmen, dass es sich um Kuba handelte. Sozialismus macht Siegerehrungen eben überflüssig.

Günter Pohl

UZ – Zeitung der DKP, Nr. 29 vom 20. Juli 2007

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