Buchpräsentation: Österreichische Re-Migration aus der Sowjetunion

Mit der vorgelegten Arbeit existiert erstmals eine Auflistung jener mehr als 1.300 ÖsterreicherInnen, die nach deren Flucht vor dem Faschismus in die Sowjetunion aus dieser wieder zurückgekehrt sind. Jahrzehntelang wurden ohne belegbare Quellen viele von ihnen zu „Stalinopfern“ erklärt.

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REZENSION

Dem sozialdemokratischen Milieu genehme, von ihm geförderte Historiker haben in den 1990er Jahren in aufwendigen Publikationen das antikommunistische Bild von den linken österreichischen „Stalin-Opfern“ geprägt. In langjährig akribischen Quellenrecherchen haben Lisl Rizy und Willi Weinert nun 2009 ein historisch exaktes Bild der Remigration österreichischer Sozialisten, Kommunisten und Schutzbündler gezeichnet. Rizy und Weinert zeigen, dass nach 1989 bis hinein in die Kreise der KPÖ die schon im „Kalten Krieg“ der 1950er Jahre von rechten Zeitungsblättern forcierte, totalitarismustheoretisch“ untermauerte Sicht von den kommunistischen Opfern in der Sowjetunion übernommen wurde. In den bürgerlichen Medien Lassen sich dementsprechend seither zahlreiche KP-Funktionäre als „Vergangenheitsbewältiger“ feiern.
Zum Einstieg in das Buch sei den Leser/innen etwa der Abschnitt „Sie kamen aus der Sowjetunion und kämpften gegen die Nazis“ empfohlen, widerlegt er doch die zu schlichte zeithistorische These, alle Rückkehrer/innen seien von einem „tiefen Hass“ auf die Sowjetunion und die Oktoberrevolution geprägt gewesen. Rizy und Weinert zeichnen an Hand sehr vieler Lebensläufe ein realistisches Bild der österreichischen (Re-)Emigration (aus der) in die Sowjetunion (Kampf, Hoffnung, antifaschistischer Heldenmut, individuelle Enttäuschungen und Einbrüche, politische Widersprüche etc.) jenseits bürgerlicher Vorurteile, die unter den „erneuerten Linken“ nur zu selbstverständlich kursieren.