Graz – „Ich habe gesehen, dass die Polizei mit Brachialgewalt gegen friedlich demonstrierende Studenten vorgegangen ist“, ärgert sich der Friedensforscher und Universitätslektor, Karl Kumpfmüller, am Freitag, einen Tag nach der Demo gegen eine Veranstaltung mit FPÖ-Chef, Heinz-Christian Strache, auf der Uni Graz. Kumpfmüller will einen Beamten, der ihn „tätlich angriff“ und zuerst seine Dienstnummer nicht zeigen wollte, anzeigen: „Er sagte, er habe sie vergessen, ich habe sie erst später bekommen.“

„Von meiner Seite war das ein durchaus gelungener Einsatz“, meint hingegen Gerhard Lecker von der Bundespolizeidirektion. Man habe die Versammlung aufgelöst, aber die Leute seien nicht gegangen.

Rund sechs Stunden dauerten die Tumulte, wo laut Polizei 300 bis 400 Demonstranten Strache den Weg blockieren wollten. Als Beamte versuchten, die Menge zu durchbrechen, wurden einzelne Demonstranten aus der Menge gezerrt und vorübergehend festgenommen. Strache konnte ungehindert in den Saal.

Im Laufe des Abends mischten sich auch aggressive Jugendliche unter die Studenten. Ein Umstand, den Hanno Wisiak vom Kommunistischen Studentenverband, bedauert. Doch den Einsatz von 50 Beamten hält er für übertrieben: „Die paar Übeltäter waren keine Studis und konnten von uns beruhigt werden.“ Auch bei den Polizisten sah Wisiak „nur einzelne aggressiv“. Grünen-Gemeinderätin Christina Jahn sah anderes: „Was geschehen ist, hat mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun.“ Rektor Alfred Gutschelhofer hätte der Polizei keinen Zutritt gewähren dürfen.

Gutschelhofer dazu: „Die Universität muss auch politische Debatten demokratisch gewählter Personen zulassen und aushalten. Da der gestrige Verlauf Anlass zu großer Sorge gibt, wird es mit der ÖH ein Gespräch geben.“ Wisiak dazu: „Das ist unsere Uni. Wir werden es nicht zulassen, dass Leute hier auftreten, die per Gerichtsbeschluss Nähe zum nationalsozialistischen Gedankengut aufweisen.“

(Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2007)

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