Von Jakob Matscheko

Die Uni weigert sich, das Propädeutikum, also die grundlegende Einführung in die jeweilige Sprache, weiterhin zu finanzieren. Hintergrund der Aktion ist, dass dem Institut das dafür notwendige Geld gestrichen wurde. Selbiges gilt übrigens auch für die Fächer der Slawistik sowie Übersetzen und Dolmetschen, also für alle Studienrichtungen, deren Schwerpunkt auf Fremdsprachen liegt. Als Ersatz finden ab Herbst zwei Kurse am „Treffpunkt Sprachen“ – einem der Universität vorgelagerten Verein – statt. Es wird nicht mehr möglich sein, je nach vorherigem Wissensstand in den Grund- oder den Intensivkurs einzusteigen, sondern man muss verpflichtend beide Kurse besuchen. Das ist notwendig, damit sich das Lehrangebot für den „Treffpunkt Sprachen“ auch rentiert.
Der bisherige Grundkurs, welcher ein ganzes Semester dauerte, wird auf einen dreiwöchigen „Crashkurs“ zusammengestaucht, welcher als Zugabe bereits im September beginnt, also noch vor dem offiziellen Ende der Inskriptionsfrist.
Wem die Lust am Studium noch nicht vergangen ist, erfreut sich vielleicht an der Tatsache, dass man diese Kurse nicht kostenlos besuchen darf, sondern über 400 Euro berappen muss, um überhaupt mit den Kursen beginnen zu dürfen – zusammen mit den im Herbst fälligen Studiengebühren also ein Aufwand von fast 800 Euro. Die Universität verspricht zwar die Rückerstattung des Geldes, jedoch nur an jene, welche eine Reihe von weiteren Prüfungen absolvieren, und sich dann in ein voraussichtlich bürokratisches Refundierungsunterfangen stürzen!

Beschämendes Verhalten der Studienvertretung

Besonders beschämend ist hierbei das Verhalten der Studienvertretung (StV) zu nennen, welche sich bei der Abstimmung über den Lehrplan nach eigenen Aussagen enthalten hat, obwohl mit ihren Stimmen eine zumindest vorläufige Verhin-derung möglich gewesen wäre, und es somit zu weiteren Verhandlungen kommen hätte können.
Diese sogenannten StudierendenvertreterInnen handeln so als reines Vollzugsorgan der ÖVP-Vorfeldorganisation „AktionsGemeinschaft“ (AG). So wollten sie sogar die StV Romanistik in „AG-Rom“ umbenennen. Denn hierbei geht es letztlich um die Durchsetzung der von ÖVP-Gehrer gestarteten und von ÖVP-Hahn fortgesetzten Bildungspolitik des Aussortierens und Beschränkens.
Es sei am Rande erwähnt, dass der Vorsitzende der Studienvertretung, Christian Pober, bei einem von ihm persönlich einberufenen Stammtisch, bei welchem offene Fragen hätten geklärt werden sollen, selbst nicht einmal anwesend war.

SchülerInnen, Zivildiener, Bundesheer

Ein weiteres Problem stellt der Zeitpunkt dar, zu dem die Kurse am „Treffpunkt Sprachen“ beginnen: Im September müssen viele arbeiten, haben die Matura noch nicht bestanden, müssen ihren Präsenz- oder Zivildienst leisten oder haben ihre Ferien anderweitig verplant. Sie alle kommen durch die jetzige Regelung unter die Räder.
Zwar wurde der Landesschulrat darüber „informiert“, dass die zukünftigen Studierenden sich ihre Arbeits- oder Ferienpläne in die Haare schmieren können, ob das alleine jedoch etwas bewirken kann, ist zweifelhaft.
MaturantInnen, die auf diese Umstände, die für sie zweifelsohne essentielle Informationen enthalten, angesprochen wurden, reagierten empört und verwundert. Keineswegs wurden also alle Maturierenden Ober- und Niederösterreichs sowie der Steiermark informiert; die anderen Bundesländer wurden vom Landesschulrat nicht einmal berücksichtigt.

Widerstand!

Bildung wird immer wichtiger, und Sprachbeherrschung insbesondere! Trotzdem werden hier elementare Dinge kaputt gespart. Gegen all diese Ungerechtigkeiten, Unfähigkeiten und untragbaren Zustände erhärtet sich jetzt aber der Widerstand. Engagierte Studierende der Romanistik versuchen nun, eine durchwegs als sinnvoll zu betrachtende Protestbewegung zusammenzustellen und gemeinsam mit anderen Studierenden aktiv zu werden. So findet am Freitag, den 6. Juni um 11 Uhr 30 am WALL eine HörerInnenversammlung statt, bei der diese Ungerechtigkeiten aufgezeigt und Forderungen gestellt werden. Um dem Nachdruck zu verleihen, wäre es gut, wenn so viele Studierende als möglich daran teilnehmen.

Die Romanistik ist genannt, gemeint sind wir alle!

Es liegt auf der Hand, dass bereits laut darüber nachgedacht wird, Einführungsveranstaltungen künftig überhaupt nicht mehr an der Universität selbst zu halten, sondern diese samt und sonders auf diverse „universitätsnahe“ Vereine auszugliedern, also zu privatisieren. Auch über etwaige „kostendeckende Maßnahmen“, sprich Kursgebühren, soll schon diskutiert werden. Einführungsveranstaltungen etwa der Betriebswirtschaft (Rechnungswesen), das Latinum und Graecum und andere werden wohl als nächstes folgen, da sie ja an manchen Schulen zum Lehrplan gehören.

„Die Uni ist ein Wirtschaftsbetrieb“

Das ist das wohl meistgehörte Zitat der ganzen Debatte. Bildung wird zu Ware degradiert, Studierende zu KonsumentInnen herabgewürdigt, Wissen als kaufbar angesehen. Wer die Kohle hat, kann machen, was er will; für Menschen aus ökonomisch benachteiligten Schichten – Stichwort Arbeiterfamilien – bleibt nur ein notwendiges Minimum. Bildung wird also wieder mehr und mehr zur Klassenfrage. „Dann sollen sie halt mehr arbeiten!“
Auch die Folgen für das Lehrpersonal sind bedeutend, bekommt man ja am „Treffpunkt Sprachen“ um ein Drittel weniger Gehalt. Lohndumping auf Universitätsebene also. Es wäre folglich für all jene, die einmal eine Unikarriere anstreben, ratsam, sich an Protestaktionen zu beteiligen!

Profitorientierung und Elitenbildung

Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen und Wartelisten sind in Österreich schon zum studentischen Alltag geworden. Das Universitätsgesetz 2002 (UG02) bildete nicht nur die Grundlage für massive Verschlechterungen der Hochschulwahlordnung, sondern legte auch den Grundstein für die Implementierung des sogenannten „Bolognaprozesses“ in das österreichische Hochschulsystem.
Unter dem Deckmantel europaweit vereinheitlichter Bildungsstandards versteckt sich nichts anderes als ein Mittel zur Durchsetzung von Kapitalinteressen im Bildungssektor. Bildung wird nicht mehr als für alle Menschen verfügbares Recht, sondern als vom Markt abhängige Ware angesehen.
Die Maßnahmen der Regierungen, die in Folge des Bolognaprozesses getroffen wurden und werden, haben einen profitorientierten Hintergrund. Der Zugang zu höherer Bildung soll einigen ausgewählten Eliten vorbehalten bleiben, die Privatisierung des Bildungssektors wird angestrebt.
Gleichzeitig dient die Dreigliedrigkeit der Hochschulbildung in Bachelor, Master und PhD dazu, der breiten Masse der Studierenden nur unzureichende und eben kostengünstige Bildung zu gewähren, die für das Kapital unmittelbar verwertbar ist. Höhere Qualifikationen kosten mehr, sind demzufolge also nur für ohnehin begütete Menschen leistbar. Bildung bekommt also nicht nur den Charakter einer Ware, sondern auch einen entsprechenden Preis.

Die Grundsatzfrage

Es geht um nichts weniger als die Grundsatzfrage, ob man Bildung als ein Menschenrecht ansieht, oder als Konsumobjekt. Ob man Studierende zu reflektierenden, kritischen und eigeninitiativen, vollwertigen Menschen erziehen will, oder zu untertänig hinnehmenden KonsumentInnen.
Aus dieser Einschätzung heraus ergibt sich für den Kommunistischen StudentInnenVerband, dass es hierbei nicht darum gehen kann, einzelne Punkte der Verschlechterungen abzumildern, sondern nur darum, sie als Ganzes zu verhindern.
Denn wenn wir die Bildungsklauer heute gewähren lassen, nehmen wir in Kauf, dass sie schon morgen weitermachen.

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