„Deutlich kritischer sah dies auch an jenem 20. Februar der spätere steirische KP-Chef Willi Gaisch, damals 16 Jahre alt und als Tischlerlehrling in der Gewerkschaftsjugend aktiv. Der Sohn einer jüdischen Russin hatte die Übertragung der Hitlerrede am Hauptplatz gehört. Angst habe er keine gehabt, erklärt Gaisch heute: „Man ist in den Massen verschwunden, ich war ja keine bekannte Persönlichkeit. Anschließend habe ich geholfen, in den Puchwerken Unterschriften für die Unabhängigkeit Österreichs zu sammeln. Die Grazer Großbetriebe waren nicht Träger faschistischen Gedankenguts, in der Arbeiterjugend gab es dafür keine Begeisterung. Anders bei Studenten, im Kleinbürgertum und auch unter Arbeitslosen.“

Aber selbst Schüler spielten eine wichtige Rolle: So demonstrierten in jenen Tagen in der Handelsakademie nationalsozialistische Schüler, nachdem ein Lehrer wegen eines Hitlergrußes suspendiert worden war. Ein wenig anders verhielt es sich im eher nazikritischen Akademischen Gymnasium. „Wir waren vielleicht nicht typisch für alle Grazer Mittelschulen“, erzählt Rudolf Kellermayr, damals Schüler, später Direktor des Akademischen.(…) Kellermayr berichtet aber auch von Anti-Nazi-Demonstrationen: „Neben mir ist ein Arbeiter gegangen, der gesagt hat: „Wir sind Kommunisten, wir lassen uns das nicht gefallen!“ Jemand anderer hat gerufen: „Rot-Weiß-Rot bis zum Tod!“

falter 13.02.2008

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