Zuerst die gute Nachricht. Heuer müssen an der Grazer Meduni erstmals seit zwei Jahren Studierende nicht mehr ein ganzes Jahr warten um mit dem zweiten Abschnitt beginnen zu können. Möglich wurde das durch den unnachgiebigen Protest der Betroffenen, der dazu führte, dass die Uni-Leitung einlenken musste.
Die Warteliste war aber nur die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich wartet eine ganze Reihe von Problemen auf eine Lösung. Ich möchte nur die Wichtigsten aufgreifen. Nach wie vor gibt es für Berufstätige keine ausreichenden Möglichkeiten berufsbegleitend zu studieren. Geschuldet ist dies dem hohen Anteil an anwesenheitspflichtigen Lehrveranstaltungen, die noch dazu selten zur selben Zeit (Wochentag und Uhrzeit) stattfinden und so eine Planung erschweren. Dieses Problem gilt übrigens auch für das neue Studium der Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Ein Faktor, der die Angelegenheit unverständlicher macht, ist die Art der Abhaltung mancher anwesenheitspflichtiger Lehrveranstaltungen. Sie haben nämlich nicht selten Vorlesungscharakter, weisen aber eine Platzbeschränkung auf. Folglich haben die Studierenden keinen zwingend erkennbaren Nutzen von diesen Lehrveranstaltungen, den sie sich nicht im Selbststudium zu Hause und zur ihnen angenehmsten Zeit beibringen könnten. Die Lehrenden hingegen haben eine eklatante Mehrbelastung, weil sie den selben Vortrag mehrmals abhalten müssen.
Eine Umfrage der Studienvertretung ergab, dass den Studierenden etwas anderes noch viel mehr unter den Fingernägeln brennt. Während 35 Prozent „sehr dafür“ sind eine bessere Vereinbarkeit von Studium und Arbeit (weitere 35 Prozent „dafür“) zu ermöglichen, sind 55 Prozent „sehr dafür“ eine Lehrveranstaltung namens NBI zum Wahlfach zu machen (15 Prozent „dafür“). Das rührt daher, dass die Lehrveranstaltung sich einerseits hauptsächlich mit Informatik beschäftigt, die von den heutigen Studierenden größtenteils schon beherrscht wird und andererseits anwesenheitspflichtig ist. Ob die eindeutige Haltung der Studierenden etwas bewirkt ist fraglich, schließlich ist der Informatiker Josef Haas als einer der Hauptverantwortlichen gleichzeitig Vorsitzender der Studienkommission, die den Lehrplan erstellt. Übrigens nicht der einzige Nicht-Mediziner, der in der Lehre an der Meduni viel zu sagen hat. Der Vizerektor für Studium und Lehre, Gilbert Reibnegger, ist Chemiker.

Die genauen Umfrageergebnisse gibt es auf Anfrage unter bastiw@gmx.at

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