Liebe Kollegin, lieber Kollege!

Jetzt ist es also wieder so weit: Die ÖH-Wahlen stehen vor der Tür. Von Dienstag bis Donnerstag können alle wahlberechtigten Studierenden ihre Stimme für ihre Studienvertretung (StV) sowie für die Universitätsvertretung (UV) abgeben. Als wahlwerbende Gruppe möchte der KSV Salzburg die Möglichkeit, ein Rundmail an alle Studierenden zu senden, für einen allgemeinen Aufruf zur Solidarität und zum Widerstand gegen die  herrschenden Verhältnisse nutzen:

1. DIE WELT, IN DER WIR LEBEN

Wir leben in einem Zeitalter der rücksichtslosen Konkurrenz. Mächtige Staaten unterdrücken schwächere, internationale Konzerne beuten Menschen, Natur und Rohstoffe gnadenlos aus, überall wird auf die Schwächeren getreten, immer mit dem eigenen Vorteil vor Augen.

2. DIE UNIVERSITÄT, AN DER WIR STUDIEREN

Auch unsere Universität ist diesem Konkurrenzwahn mehr und mehr ausgeliefert. Wo man früher noch die Möglichkeit hatte, sich mehr oder weniger frei zu bilden, Fächer nach Interesse zu belegen, wertvolle Erfahrungen und Wissen zu sammeln, steht heute die wirtschaftliche Verwertbarkeit im Vordergrund.

Unsere Studienpläne werden verschult, wir werden gedrängt, möglichst schnell und effektiv zu studieren. Es bleibt keine Zeit mehr, sich umfassend mit der Wissenschaft zu beschäftigen. Die unter uns, die keine oder zu wenig finanzielle Unterstützung von ihren Eltern bekommen, müssen neben dem Studium arbeiten und geraten extrem unter Druck, so dass ein vernünftiges Studium fast unmöglich ist.

Durch die Kürzung der Familienbeihilfe versucht man, uns nach dem Bachelorstudium von den Unis zu drängen ? die Wirtschaft braucht Fachkräfte, keine WissenschaftlerInnen. Viele Fächer werden finanziell ausgehungert, weil sie der Gesellschaft angeblich nichts nützen ? nur was unmittelbar der Industrie nützt, darf weiterexistieren.

Zusätzlich dazu versucht man, durch mehr und mehr Prüfungen den Rückgang der Qualität der Lehre zu kaschieren, man ersetzt das Verstehen durch das Auswendiglernen ? wer dem Prüfungsstress nicht standhält, fliegt. Besonders trifft das wieder diejenigen, die neben dem Studium arbeiten, oder aber sich um ein Kind kümmern müssen ? von Studierenden mit Behinderung ganz zu schweigen.

Durch Zugangsbeschränkungen wird die Konkurrenz zwischen den Studierenden verstärkt, jede Kollegin, jeder Kollege ist potentielle Konkurrenz im Rennen um die Masterstudienplätze. Nach dem selben Schema funktioniert das beim beschränkten Angebot an Plätzen in den verschiedenen Lehrveranstaltungen ? viele würden niemals jemanden auf eine interessante LV aufmerksam machen ? durch die Anmeldungsmodi an manchen Fakultäten könnte einem ja der Platz weggenommen werden.

Ähnlich verhält es sich mit Studierenden, die aus Deutschland nach Österreich kommen, oft um dem Numerus Clausus zu entgehen ? die Ausrichtung der europäischen Universitäten auf den Bologna-Prozess fördert auch die Konkurrenz zwischen den Unis der verschiedenen Länder.

3. WAS WIR TUN KÖNNEN

Wir müssen uns selbst darum kümmern, das unsere Uni wieder ein guter Ort zum Studieren wird. Es reicht nicht, die Stimme bei den anstehenden ÖH-Wahlen bloß abzugeben, wir müssen die Stimme erheben! Nur durch breiten Widerstand aller Studierenden kann dem Trend zu Elitenbildung, Ökonomisierung und Verschulung etwas Wirksames entgegengesetzt werden. Die ÖH alleine kann höchstens die Auswirkungen all dieser Missstände etwas abmildern, es geht aber darum, sie zu bekämpfen. Der KSV setzt sich dafür ein, dass die ÖH endlich die Notwendigkeit breiter und konsequenter Protestmaßnahmen anerkennt, sie vorbereitet und organisiert.

Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse wächst aber nur auf einem Boden der Solidarität. Wir dürfen daher nicht auf Konkurrenzdenken oder anderen Ideologien hereinfallen, die nur dazu dienen, uns Studierenden zu spalten und damit wehrlos zu machen. Wir müssen uns engagieren, für unsere Interessen und die Interessen unserer KollegInnen: „Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich!“ Hilf mit in deiner Studienvertretung, schreite ein, wenn eine Kollegin unfair behandelt wird, teile deine Mitschriften mit dem Kollegen, der zur Vorlesungszeit immer arbeiten musste. Nicht sie sind es, die dir den Masterstudienplatz wegnehmen könnten, sondern die Herren in Politik und Wirtschaft!

Wenn wir das begreifen und wenn wir uns so gegenüber unseren KollegInnen verhalten, dann werden sie uns auch auf die Straße begleiten, wenn es darum geht, gemeinsam für freie, soziale und demokratische Unis zu kämpfen.

Die aktuellen Ausgaben der Salzburger KSV-Zeitschrift „organ“ stehen unter dem Titel „Raus aus den Gremien – raus auf die Straße“ sowie „Reiche Eltern für alle! ODER: Für ein sozial gerechtes Bildungssystem! Für eine höhere Studienbeihilfe!“ und können über unsere Website heruntergeladen werden.
In diesem Sinne: Vota Comunista!

Solidarische Grüße,
Euer KSV Salzburg