In diesen Minuten ziehen Zehntausende (nach ersten Schätzungen 40.000!) Studierende, SchülerInnen, ArbeiterInnen und weitere UnterstützerInnen der Forderungen der Uni-BesetzerInnen durch die Wiener Innenstadt. Unter anderem führt es die DemonstrantInnen über den Minoritenplatz zum Wirtschaftsministerium und dann wieder zurück zur Hauptuni.

Im Audimax selbst halten einige Dutzend Tapfere die Stellung, während auf der Straße ein lautstarker und bunter Protest stattfindet. Mit einem Audio-Livestream kommt jedoch auch im Audimax selbst ein wenig Demostimmung auf. Unter den DemonstrantInnen befinden sich  politische Organisationen, ÖH-Fraktionen, MigrantInnenvereine, SchülerInnenorganisationen, GewerkschaftsvertreterInnen und weitere Vereine. Der bei Weitem größte Teil der Demo wird hingegen von unorganisierten AktivistInnen aller Wiener Universitäten gestellt.

Und gerade das ist auch der fortschrittliche Moment an dieser Bewegung. Bislang konnte es erfolgreich verhindert werden, dass diverse Fraktionen den Protest für sich vereinnahmen konnten. Dass dies so lange möglich war, liegt nicht zuletzt an den zahlreichen unorganisierten AktivistInnen, welche diesen Protest tragen. Es ist von großer Bedeutung, dass auch im weiteren Verlauf die Impulse und Aktionen von der Basis ausgehen.

Der gesamte Protest entwickelt sich auf der Hauptuni in eine sehr positive Richtung, da es einfach gesagt bessere Strukturen und mehr und insbesondere bessere Vernetzungen gibt. Wobei noch nicht alles so funktioniert, wie es sollte, denn beispielsweise war bis vor Kurzem noch nicht einmal klar, wie viele AktivistInnen im Audimax bleiben und das heutige Plenum lief teilweise recht chaotisch ab. Im heutigen Nachmittagsplenum wurde u. a.  ein Brief an den „berühmtesten Plagiator“ der Bundesrepublik (unter vielen Kreisen als Gio Hahn bezeichnet) besprochen, mehrere Soli-Erklärungen verlesen, ein bereits geplantes alternatives Lehrprogramm mit dem Protest wohlgesonnen Lehrenden angekündigt und die kollektive Aufteilung des von der Volksküche eingenommenen Geldes besprochen, um das Ganze auch schön transparent zu halten.

Der Protest selbst hat sich mittlerweile weit über die österreichischen Grenzen hinweg ausgebreitet und so gibt es Solidaritätsbekundungen über ganzen Globus. Auch der Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) hat sich solidarisch erklärt und seine Mitgliedsorganisationen dazu aufgerufen den Kampf der Studierenden zu unterstützen.
Es bleibt zu hoffen, dass sich der Protest weiter in dieser Stärke halten kann und noch weiter ausbreitet.

David Lang (für KJÖ und KSV Wien)